Serie: "Wir sind Europa":"Die Krise muss kein Hindernis sein"

Serie: "Wir sind Europa": Sie hat ihre eigene Welt geschaffen: Die griechische Unternehmerin Lela Dritsa.

Sie hat ihre eigene Welt geschaffen: Die griechische Unternehmerin Lela Dritsa.

(Foto: Christiane Schlötzer)

Wie zwei Frauen in Griechenland allen Widerständen zum Trotz Unternehmen gründeten, die ganz neue Wege aus der Wirtschaftskrise aufzeigen.

Reportage von Christiane Schlötzer, Athen

Auf dem Weg in die Zukunft landet man erst einmal im Gestern: vor einem Athener Arbeitsamt. Ein Zettel am Eingang informiert, dass es keinen Zweck hat, sich ab 13.30 Uhr noch anzustellen, weil die Schlange dann schon lang genug ist. Im selben Häuserblock an einer staubigen Ausfallstraße, in einer Wüstenei aus Beton, hat Eleftheria Zourou ihr Unternehmen untergebracht, von dem nicht nur die Gründerin sagt, es habe das griechische Gesundheitswesen "revolutioniert".

Zourou ist 38, groß, trägt ein feuerrotes Jackett und balanciert sicher auf schwarzen High Heels. An einem Handgelenk hat sie ein Tattoo: eine Pistole. Es stammt aus einer Zeit, in der es ihr weniger gut ging als heute. "In Griechenland ist alles zusammengebrochen", sagt sie. Die Zukunftspläne der Eltern für ihre Kinder, die Vorstellung, dass es immer irgendwie aufwärts gehen muss im Leben, so viele Gewissheiten, alles weg. "Aber das kann auch sehr befreiend sein", sagt Eleftheria Zourou.

Wir sind Europa - Andere Europäer, andere Probleme: Sechs Reisen zu EU-Bürgern vor der Europawahl 2019. Hier geht es zu den bereits erschienenen Beiträgen der Serie.

Als Zourous Vater vor ein paar Jahren an Krebs erkrankte, gab es die griechische Krise noch nicht, aber das Gesundheitssystem war auch schon ziemlich schlecht organisiert. Zourou verzweifelte fast daran. Erst 2012, inmitten der Finanzkrise, entschloss sie sich, selbst etwas dagegen zu tun. "Viele Leute haben mich deshalb für verrückt erklärt." Weil sie ihren Job als Marketingexpertin bei einem großen internationalen Unternehmen dafür aufgab, "weil ich jung war, eine Frau und keine Ärztin".

Aber Zourou wusste, was Rat suchenden Patienten fehlt: Information. Welcher Arzt rechnet mit welcher Kasse ab, in welcher Praxis muss ich selbst zahlen und wie viel, wie bekomme ich rasch einen Termin? So gründete sie das Internetunternehmen "Doctoranytime". 5000 Ärzte in Griechenland sind dort registriert, seit einer Weile auch 1000 Mediziner in Belgien, wohin Zourou expandierte. In wenigen Tagen werden es 20 000 in Mexiko sein. Patienten können die Praxen beurteilen, Ärzte online häufige Patientenfragen beantworten, und es gibt ein transparentes Terminvergabesystem. "Wir sind seit dreieinhalb Jahren profitabel." Neue Investoren brauche sie derzeit nicht, sagt Zourou, sie fand zwei gleich zu Beginn in Griechenland, die glaubten an ihren Erfolg.

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