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Griechenland:Er erblindete, weil eine deutsche Handgranate neben ihm explodierte

Kouroumblis kommt aus einem Dorf in Westgriechenland. 1961 spielte er mit Freunden an einem Fluss, an dem die deutschen Besatzer im Zweiten Weltkrieg eine Brücke gesprengt hatten. Sein Freund fand im Boden eine Granate. Sie explodierte. Der Freund starb. Kouroumblis erblindete. Heute sagt er: "Wenn diese Handgranate mich nicht töten konnte, was dann?" Er studierte, er demonstrierte, er lehnte sich gegen die Militärdiktatur auf. Er baute Blinden-Organisationen auf und ging in die Politik. Er heiratete und hat zwei Kinder. Seine Mitarbeiter bewundern ihn.

Panos Stenos, 41, roter Pulli und Sportrucksack, begleitet ihn auf Auslandsreisen. Er arbeitet seit 2012 für Kouroumblis, als er noch Lobby-Arbeit für Blinde machte. Einmal waren sie zu zweit auf einem Kongress in Paris. Stenos dachte, das kann ja was werden. Jetzt müsse er Kouroumblis die ganze Zeit bemuttern. Aber der Politiker machte die Hotelzimmertür hinter sich zu. Man sah sich frisch rasiert am nächsten Morgen wieder. Stenos half nur, die Krawatte zurechtzuzupfen.

In Kouroumblis Job brennt es. Nur Feuer sieht man nicht

"Er eröffnet dir eine völlig neue Welt", sagt Ioanna Skondra. "Wenn du denkst, es geht nicht mehr, dann schau ihn an." Kouroumblis' Assistentin ist 26. Sie hat studiert, Internationale Beziehungen. Sie fängt an, wenn der Chef morgens anfängt. Schluss ist, wenn er Schluss macht. Ihr bleibt kaum Zeit, Freunde zu sehen. Viele von ihnen sind arbeitslos. Sie leben genau unter den Umständen, die Tsipras und seine Regierung versprochen hatten abzuschaffen. Nun spart diese Regierung weiter Milliarden ein.

Es ist nach 21 Uhr. Kouroumblis hat noch Termine. Zwei Feuerwehrleute sind zu Gast. Es gibt Probleme bei der Ausbildung des Nachwuchses. Makis Tsiougris, 45 Jahre alt, Kapuzenpulli, trägt sein Anliegen vor. Kouroumblis hört zu, greift zum Hörer und ruft den zuständigen Generalsekretär an. Als er auflegt, bekommt Makis Tsiougris das Versprechen, dass er sich kümmern werde. Nach zehn Minuten ist der Termin vorbei. "Mich hat beeindruckt, dass er gleich versucht, eine Lösung zu finden", sagt Tsiougris. Ob er sich vorstellen könnte, bei der Feuerwehr unter einem blinden Chef zu arbeiten? "Unmöglich", sagt er. "Wir haben große Brände, wie sollte er da den Überblick behalten." In Kouroumblis Job brennt es auch, denkt man. Nur Feuer sieht man nicht.