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Flüchtlinge in Griechenland:"Die EU sollte über eine weitere Unterstützung der Türkei nachdenken"

Die Türkei will offenbar mehr Geld von der EU, dafür, dass sie die Flüchtlinge zurückhält?

Wir müssen akzeptieren, dass die Türkei eine große Last trägt mit fast vier Millionen Flüchtlingen und Migranten. Und ich denke, die EU sollte über eine weitere Unterstützung der Türkei nachdenken. Nicht bedingungslos, aber ich halte es für wichtig.

Erwartet Griechenland auch mehr Hilfe von der EU?

Ja, das tun wir. Die meisten Migranten kommen über das östliche Mittelmeer, nicht über die zentrale Mittelmeerroute nach Italien. Wenn dort 1300 Menschen ankommen, sind es hier 5000. Die zentrale Mittelmeerroute aber ist viel mehr im Blick der EU. Damit man unsere Stimme besser hört, haben wir uns jetzt mit Bulgarien und Zypern zusammengetan, wir weisen gemeinsam auf die Probleme hin.

Am Freitag wird Bundesinnenminister Horst Seehofer nach einem Besuch in Ankara nach Athen kommen.

Der französische Innenminister wird ebenfalls dabei sein. Wir werden unseren wichtigsten Partnern in der EU sagen, in welch schwieriger Situation wir sind. Wir werden auch auf die neue Vereinbarung von Malta zur Verteilung von Bootsflüchtlingen hinweisen, die Seehofer initiiert hat. Das ist für uns schon ein Vorbild.

Was bringt das neue Asylgesetz noch? Bekannt ist schon, dass Migranten vor der Abschiebung in "geschlossenen Zentren" untergebracht werden sollen.

Wir werden alle unsere europäischen und internationalen Verpflichtungen respektieren. Aber wir müssen die Asylprozesse beschleunigen. Die Tsipras-Regierung hat das Gesetz sehr flexibel ausgelegt, sehr breit. Wir werden strenger sein. Wir werden mehr Asylkomitees haben, mehr Richter. Im Unterschied zu unseren Vorgängern sind wir entschlossen, eine robuste Migrationspolitik umzusetzen.

Es heißt, Migranten, die sich den Behörden widersetzen, zum Beispiel dem Umzug in ein bestimmtes Lager, sollen Nachteile haben.

Wenn griechische Staatsbürger bei Rechtsverstößen mit Strafmaßnahmen rechnen müssen, warum soll das nicht auch für Leute gelten, die illegal in unser Land kommen und sich nicht an die Gesetze halten.

Enthält das neue Gesetz auch Integrationsmaßnahmen? Da gibt es in Griechenland bislang fast nichts.

Nicht dieses Gesetz. Aber unter den Flüchtlingen sind Tausende unbegleitete Jugendliche. Das ist eine riesige Herausforderung für uns. Wir denken an eine Geberkonferenz zu diesem Thema, unter der Schirmherrschaft von Unicef. Wir werden unseren Teil tragen, aber auch hier müssen die Lasten in Europa besser verteilt werden.

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