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Griechenland:Die Demokratie siegt

Das Land zeigt, wie man den Rechtsextremismus besiegt.

Von Tobias Zick

Das Prädikat "Wiege der europäischen Demokratie" wird bei allerlei passenden oder weniger passenden Anlässen aus dem Archiv geholt, wenn es darum geht, die Bedeutung Griechenlands für den Rest des Kontinents zu preisen. Am Mittwoch aber leuchtete die Zuschreibung in neuem Glanz auf.

Ein Athener Gericht hat die Anführer der Neonazi-Partei "Goldene Morgenröte" der Bildung einer kriminellen Vereinigung schuldig gesprochen; Bürger wie Politiker, von konservativ bis links, feiern das Urteil als Sieg für ihre Nation. Mit Recht. Der griechische Staat hat sich an diesem Tag als entschlossener Verteidiger der Demokratie erwiesen.

Die Tatsache, dass eine Partei, die mit Hitler-Porträts, Hakenkreuzen und gestreckten rechten Armen auftritt, in Griechenland überhaupt zu nennenswerter Größe heranwachsen konnte, in einem Land, dem der Terror der nazideutschen Truppen bis heute in den Knochen steckt, ist an sich schon ein zynischer Treppenwitz der Geschichte - und ein Beispiel, welche dunklen Blüten der Populismus treiben kann, wenn Wirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit viele Menschen empfänglich für plumpe Hassbotschaften machen. Von Griechenland kann Europa lernen, aus welchen Abgründen der Rechtsextremismus wuchern kann - und wie man ihn bekämpft.

© SZ vom 08.10.2020

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