Griechenland Deutschland soll Milliarden zahlen

Das griechische Parlament fordert Entschädigung für Kriegsverbrechen.

Von Christiane Schlötzer, Athen

Verlangt von Deutschland Reparationen für Kriegsverbrechen im 2. Weltkrieg: Griechenlands Premier Alexis Tsipras.

(Foto: Costas Baltas/Reuters)

In seltener Einigkeit hat das Parlament in Athen Premier Alexis Tsipras beauftragt, von Deutschland erneut Reparationen für Kriegsverbrechen zu verlangen. Tsipras soll "alle notwendigen diplomatischen und juristischen Schritte" unternehmen, um Forderungen "aus dem Ersten und dem Zweiten Weltkrieg" zu erfüllen, heißt es in dem Beschluss. Zunächst dürfte dies in Form einer "Verbalnote" geschehen. Eine schon vor Jahren eingesetzte Kommission des Parlaments hatte eine Reparationssumme von fast 300 Milliarden Euro errechnet. Tsipras sagte, es gehe um Opferentschädigungen, einen Ausgleich für materielle Schäden und die Rückgabe geraubter archäologischer Kulturgüter. "Wir haben jetzt die Chance, dieses Kapitel für beide Völker abzuschließen." Dies sollte aber freundschaftlich und "auf Augenhöhe" geschehen, sagte der Premier.

Für die Bundesregierung ist die Frage von Reparationen "juristisch wie politisch" bereits abschließend geregelt. Berlin verweist auf Zahlungen für Opfer im Jahr 1960 von 115 Millionen Mark und auf den Zwei-Plus-Vier-Vertrag zur deutschen Einheit, der den Charakter eines Friedensvertrages hatte und dem auch Griechenland zugestimmt habe. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte aber auch, man wisse "um die große Schuld, um das große Leid, das Deutschland und Deutsche zu Zeiten des Nationalsozialismus über Griechenland gebracht haben". Deshalb bemühe man sich um gute Beziehungen "als Freunde und Partner".

Während der deutschen Besatzung zwischen 1941 und 1944 starben Zehntausende Griechen - durch Massaker, im Kampf, durch Hunger und Deportationen. Opfervertreter erhoben in der Vergangenheit mehrmals Forderungen nach Entschädigung. Sie waren vor griechischen Gerichten teils erfolgreich, worauf es beinahe zu Pfändungen von deutschem Eigentum in Athen kam.

Tsipras sagte, er habe erst abwarten wollen, bis die internationalen Hilfsprogramme für Griechenland ausgelaufen sind, um beide Themen nicht zu vermischen. Für den Zeitpunkt des Parlamentsbeschlusses dürfte allerdings auch der griechische Wahlkampf eine Rolle spielen. Spätestens im Oktober sind Parlamentswahlen, und die konservative Nea Dimokratia liegt derzeit klar vor Tsipras' Linkspartei Syriza. ND-Chef Kyriakos Mitsotakis stimmte auch für den Antrag.

Nach Griechenland hat nun auch Polen seine Reparationsforderungen an Deutschland erneuert. "Es ist Zeit für eine Entscheidung des polnischen Sejm", des Parlaments, twitterte Arkadiusz Mularczyk, der Chef des polnischen Parlaments-Kommission für Reparationen.