Attacke in Grevesmühlen:Polizei korrigiert Schilderung des Tathergangs

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In diesem Wohngebiet in Grevesmühlen im Landkreis Nordwestmecklenburg hat sich der mutmaßlich rassistische Übergriff auf zwei Mädchen und ihren Vater wohl ereignet. (Foto: Bernd Wüstneck/dpa)

Dem angegriffenen Mädchen wurde nach aktuellem Ermittlungsstand doch nicht ins Gesicht getreten. Die rassistischen Übergriffe auf den Vater sollen aber stattgefunden haben.

Von Nicolas Freund

Der mutmaßlich rassistische Übergriff, der sich am Freitag in Grevesmühlen in Mecklenburg-Vorpommern ereignet haben soll, ist wohl doch anders abgelaufen, als es zunächst geschildert worden war. Laut der am Samstag veröffentlichten Pressemeldung der Polizei sollen „zwei ghanaische Mädchen, 8 und 10 Jahre alt, aus einer Gruppe von ca. 20 Personen heraus angegriffen worden sein. Dem jüngeren Mädchen soll unter anderem in ihr Gesicht getreten worden sein.“ Als die Eltern dazukamen, um den Kindern zu helfen, soll auch der Vater rassistisch beleidigt, angegriffen und leicht verletzt worden sein. Der Vorfall führte sofort bundesweit zu Aufsehen und Entsetzen. Politiker äußerten sich bestürzt über den vermeintlich gezielten, fremdenfeindlichen Angriff.

Am Montagabend dann veröffentlichte das Polizeipräsidium Rostock eine weitere Pressemitteilung mit Korrekturen. Darin heißt es: „Nach derzeitigem Ermittlungsstand hat das achtjährige Mädchen keine körperlichen Verletzungen erlitten, die auf die in der Erstmeldung geschilderte Tathandlung hindeuten.“ Statt eines Fußtritts soll einer der in den Vorfall verwickelten Jugendlichen versucht haben, sich den Mädchen, die auf ihren Rollern unterwegs waren, mit ausgestrecktem Bein in den Weg zu stellen und sie dabei mit der Fußspitze berührt haben. Die Angriffe auf den Vater und die fremdenfeindlichen Äußerungen sollen aber wie zuerst geschildert stattgefunden haben. Zu diesem Schluss kam die Polizei unter anderem nach der Auswertung einer Videoaufnahme des Vorfalls.

Viele Details sind noch nicht geklärt

Auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung, wie es zu den falschen Informationen in der ersten Mitteilung kommen konnte, teilte das Polizeipräsidium Rostock mit, man habe den Fall so wiedergegeben, wie er den Beamten beim Eintreffen geschildert worden war. Tatsächlich waren die Angaben in der ersten Pressemeldung der Polizei im Konjunktiv gehalten. Es sei eine hochemotionale Situation gewesen, teilte die Pressestelle der Polizei Rostock außerdem mit. Die Beamten seien von einer Verletzung des Kindes ausgegangen und hätten deshalb einen Rettungswagen gerufen. Erst später habe sich herausgestellt, dass das Mädchen nicht verletzt war. Zur vollständigen Darstellung des Vorfalls hätten aber noch „Puzzleteile gefehlt“. Zumindest einige davon scheinen nun durch das Video und andere Ermittlungen gefunden worden zu sein.

Viele Details sind aber noch immer nicht geklärt. So wurden zum Beispiel in einigen Medien angeblich sichtbare Verletzungen des Mädchens geschildert. Laut der Polizei dauern die Ermittlungen an. So hieß es in der Pressemitteilung vom Montag, es würden weiter in der Nähe des Tatorts Befragungen stattfinden.

Laut der Deutschen Presse-Agentur äußerte sich am Dienstag auch Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, zu dem neuen Ermittlungsstand: „Es ist gut, dass das Mädchen körperlich unverletzt geblieben ist. Jede Mutter und jeder Vater weiß, dass der Schock tief sitzt. Es gibt keinen Grund, den Vorfall zu verharmlosen. Für Angriffe auf Kinder und fremdenfeindliche Beleidigungen darf es keinen Platz in unserem Land geben.“

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