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Thailand: Grenzkonflikt:Schwere Gefechte im Dschungel

Die Kämpfe an der thailändisch-kambodschanischen Grenze drohen zu eskalieren. Neben Artellerie kamen erstmals auch Mörsergranaten zum Einsatz. Die Bilanz der Auseinandersetzungen: mindestens zehn tote Soldaten, 40 Verletzte und tausende Menschen, die aus dem Grenzgebiet fliehen.

Kambodschanische und thailändische Streitkräfte liefern sich den dritten Tag in Folge heftige Gefechte. Nach Angaben eines kambodschanischen Militärs gegenüber der Nachrichtenagentur AFP setzen beide Seiten seit dem Vormittag Mörsergranaten ein. Der kambodschanische Kommandeur Oberst Suos Sothea bestätigte außerdem Berichte von Augenzeugen, wonach am Sonntagmorgen ein Artilleriegefecht ausbrach.

Kambodschanische Streitkräfte auf dem Weg zur thailändisch-kambodschanischen Grenze.

(Foto: AFP)

Die Kämpfe zwischen den beiden Staaten waren am Freitag nach zwei Monaten relativer Ruhe neu entflammt. Mindestens zehn Soldaten kamen seitdem in den Auseinandersetzungen ums Leben, 40 Menschen wurden verletzt, tausende Zivilisten mussten ihre Dörfer verlassen.

Kambodscha warf den thailändischen Soldaten zudem vor, von zahlreichen Staaten geächtete Streumunition und 75- sowie 105-Millimeter-Geschosse "gefüllt mit Giftgas" einzusetzen. Das thailändische Außenministerium wies die Vorwürfe als gegenstandslos zurück. Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, als erste das Feuer am Freitag wieder eröffnet zu haben. Das kambodschanische Verteidigungsministerium rief Thailand auf, "diese wiederholten absichtlichen Akte der Aggression" zu unterlassen und die Feindseligkeiten einzustellen.

Eine Einmischung der Vereinten Nationen in den Konflikt wies Thailands Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva deutlich zurück. Seinen Worten zufolge strebt Kambodscha an, den Konflikt auf eine internationale Ebene zu heben. In diese "Falle" dürfe Thailand aber nicht treten, warnte er. Der Streit könne in bilateralen Gesprächen gelöst werden.

UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon hatte kurz davor seine Forderung nach einem Waffenstillstand und einer dauerhaften Lösung des Konflikts bekräftigt. Er hatte die Konfliktparteien zu äußerster Zurückhaltung und einem "seriösen Dialog" aufgerufen.

Hauptgrund des Grenzkonflikts ist ein Streit um den 900 Jahre alten Preah-Vihear-Tempels, der zum Unesco-Weltkulturerbe zählt und den Kambodschanern vor 49 Jahren vom Internationalen Gerichtshof zugesprochen wurde. Beide Länder erheben allerdings Anspruch auf das 4,6 Quadratkilometer große Gebiet um die Anlage.

Am 22. Februar unterzeichneten Thailand und Kambodscha ein Waffenstillstandsabkommen, das auch vorsieht, militärische Beobachter aus Indonesien entlang der Grenze zu positionieren. Die Vereinbarung wurde bisher allerdings nicht umgesetzt. Die jüngsten Kämpfe ereigneten sich etwa 150 Kilometer westlich der Tempelanlage.

© sueddeutsche.de/afp/dpa/reuters/feko/plö
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