Grenzen May und Macron diskutieren Grenzschutz und einen Teppich

70 Meter lang und 50 Zentimeter hoch: der Teppich von Bayeux.

(Foto: Stephane Maurice/AFP)
  • Die britische Premierministerin Theresa May und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron treffen sich südlich von London, um ein neues Abkommen zur Grenzsicherung zu besiegeln.
  • Bereits bekannt ist, dass London 50 Millionen Euro zusätzlich an Paris für den Grenzschutz in Calais zahlen will.
  • Ein weiteres Gesprächsthema: Die französische Regierung will möglicherweise den weltberühmten Teppich von Bayeux an Großbritannien ausleihen.

Großbritannien gibt Frankreich weitere 50 Millionen Euro für den Schutz der Grenze zwischen den beiden Ländern. Mit dem Geld werde die Sicherheit der britischen Grenzen verbessert, sagte eine Regierungssprecherin in London.

Frankreich hatte vor einem am Nachmittag anstehenden Treffen der britischen Premierministerin Theresa May und des französischen Präsidenten Emmanuel Macron mehr Geld gefordert, um Flüchtlinge am Überqueren des Ärmelkanals von der nordfranzösischen Stadt Calais aus zu hindern. Bei einem Besuch in der Hafenstadt warnte der Staatschef, Calais sei keine "Geheimtür" nach Großbritannien, sondern eine "Sackgasse" für die Migranten.

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May und Macron treffen sich in der britischen Militärakademie Sandhurst südlich von London, um ein neues Abkommen zur Grenzsicherung zu besiegeln. Für London ist das neue Abkommen entscheidend, da nach dem Brexit die Grenze zur EU durch den Ärmelkanal verläuft. Es soll den Vertrag von Touquet von 2003 ablösen, der gemeinsame Kontrollen in den Häfen beider Länder ermöglichte. In weiteren Vereinbarungen aus den Jahren 2009, 2010 und 2014 verpflichtete sich Frankreich, Grenzübertritte von Flüchtlingen zu verhindern - vor allem in der Umgebung des Eurotunnels in Calais. Mit britischer Hilfe wurden Zäune und Überwachungsanlagen gebaut. Kritiker argumentieren, faktisch habe sich damit die britische Grenze nach Frankreich verschoben.

Ende 2016 wurde der sogenannte "Dschungel von Calais" geräumt - ein Lager, in dem Tausende Menschen unter erbärmlichen Verhältnissen zusammengepfercht waren. Nach der Räumung sammelten sich aber wieder Verzweifelte in der Gegend.

Frankreich hat im vergangenen Jahr eine neue Höchstzahl von mehr als 100 000 Asylbewerbern verzeichnet, das war ein Zuwachs von gut 17 Prozent. Paris hat Zugeständnisse von London gefordert, etwa die Aufnahme von unbegleiteten Minderjährigen oder von Flüchtlingen, die bereits Familienangehörige in Großbritannien haben.

Macron und May wollen bei ihrem Termin am Nachmittag zudem über einen Teppich sprechen: Die französische Regierung will möglicherweise den weltberühmten Teppich von Bayeux an Großbritannien ausleihen.

Der etwa 70 Meter lange und 50 Zentimeter hohe Wandteppich zeigt die Eroberung Englands durch den Normannenherzog Wilhelm den Eroberer bis zur Schlacht von Hastings 1066. Er gilt wegen seiner Größe und handwerklichen Qualität als eine der bedeutendsten Stickereien des Mittelalters. Der kostbare Teppich wurde um 1077 gefertigt. Er ist in einem Museum in der nordfranzösischen Stadt Bayeux ausgestellt und gehört seit 2007 zum Weltdokumentenerbe der Unesco.

Aus dem Élysée-Palast hieß es, der Teppich werde "nicht vor 2020" über den Ärmelkanal wechseln. Der Teppich sei ein "extrem empfindliches Kulturgut" und müsse auf einen Transport umfassend vorbereitet werden. Nach Angaben britischer Medien ist noch unklar, wo der Teppich in Großbritannien ausgestellt werden könnte.

Ob es einen Zusammenhang zwischen dem Abschottungs-Geld und dem Wandteppich gibt, also eine Art Tauschhandel vereinbart ist, ist nicht bekannt.

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