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Gouverneurswahl:Rot ist das neue Blau

  • In 36 Bundesstaaten fanden am Dienstag Gouverneurswahlen statt, in mehreren Staaten gelang den Republikanern ein Überraschungssieg.
  • Maryland, Massachusetts und Illinois, Hochburgen der Demokraten, werden künftig von Republikanern regiert.
  • Auch im umkämpften Bundesstaat Florida gewinnt ein Republikaner. Am Wahlabend soll es zu Problemen mit Wahlcomputern gekommen sein.

Von Robert Gast

Die Republikaner haben auch bei den Gouverneurswahlen mehrere spektakuläre Siege eingefahren. So werden die US-Bundesstaaten Maryland und Massachusetts, die als "blaue Staaten" Hochburgen der Demokraten sind, künftig von Republikanern regiert. Auch in Illinois, dem Heimatstaat Obamas, löst ein Konservativer den demokratischen Amtsinhaber ab. Und im notorisch umkämpften Bundesstaat Florida setzte sich der republikanische Gouverneur Rick Scott knapp gegen seinen demokratischen Herausforderer Charlie Crist durch. Bei den Wahlen am Dienstag wurden in 36 Bundesstaaten Gouverneure gewählt. Hochrechnungen zufolge werden Republikaner, deren Parteifarbe rot ist, zumindest zwei Gouverneursposten mehr innehaben als vor der Wahl.

Aufholjagd in Maryland

Besonders hart treffen die Demokratische Partei die Niederlagen in Maryland und Massachusetts. In Maryland haben die Demokraten doppelt so viele Mitglieder wie die Republikaner, bei der Präsidentschaftswahl 2012 konnte Barack Obama hier noch 62 Prozent der Stimmen holen. In den vergangenen acht Jahren wurde der Staat vom Demokraten Martin J. O'Malley regiert. Sein Vizegouverneur Anthony G. Brown sollte nun übernehmen. Lange galt der republikanische Herausforderer Larry Hogan als chancenlos.

Doch letztlich gelang Hogan die Kehrtwende in dem Bundesstaat, der für die Arbeiterstadt Baltimore bekannt ist. Der Republikaner konnte im Wahlkampf punkten, indem er zuletzt verabschiedete Steuererhöhungen kritisierte und davor warnte, Brown könne diesen Kurs fortsetzen. Diese Strategie habe die Republikanische Partei in mehreren Bundesstaaten verfolgt, schreibt die Washington Times.

29-Punkte-Führung in Massachusetts verspielt

Auch im Ostküstenstaat Massachusetts kommt der knappe Sieg der Republikaner als Schock für die Demokraten. Dort trat die Generalstaatsanwältin Martha Coakley gegen den Republikaner Charlie Baker an. Zeitweise sahen Hochrechnungen Coakley 29 Prozentpunkte in Führung. Die Demokratin trat im Wahlkampf für frühkindliche Bildung ein, sowie für eine Initiative, die vorsieht, dass Arbeitnehmern im Falle einer Krankheit weiter Gehalt gezahlt wird. Die Staatsanwältin gilt allerdings als vergleichsweise unbeliebt, wie das Magazin Mother Jones schreibt. Charlie Baker hingegen hat den Ruf eines moderaten Republikaners, der für Abtreibungen und gleichgeschlechtliche Ehe eintritt. Er bekam 48,4 Prozent der Stimmen - 1,7 Prozentpunkte mehr als seine Konkurrentin.

Parteiwechsler Crist verliert das Millionenspiel in Florida

Mit Spannung erwarteten Beobachter auch das Ergebnis der Gouverneurswahl in Florida. Es wurde zeitweise von der Meldung überschattet, es gebe erneut Probleme mit Wahlmaschinen. Der Wahlkampf in Florida war so umkämpft und teuer wie in kaum einem anderen Staat. Der republikanische Amtsinhaber Rick Scott galt laut New York Times zu Beginn seiner Amtszeit noch als unbeliebtester Gouverneur des Landes. Im Wahlkampf gelang es ihm jedoch, seinen demokratischen Herausforderer Charlie Crist als jemanden darzustellen, der sein Fähnlein in den Wind hält. Crist war einst von der Republikanischen in die Demokratische Partei übergetreten und hatte seine Position zu gleichgeschlechtlicher Ehe und Abtreibung geändert.

In Obamas Heimat wird Ebola zum Wahlkampfthema

Überraschend kam auch die Niederlage der Demokraten in Illinois, dem Heimatstaat von Präsident Obama. Der Staat wird seit 2009 von dem Demokraten Pat Quinn regiert, der sich im Wahlkampf unter anderem dadurch hervortat, dass er den Mindestlohn von 8,25 Dollar auf zehn Dollar pro Stunde anheben wollte. Im vergangenen Jahr hatte sich Quinn im Zuge einer Reform des Rentensystems allerdings mit den Gewerkschaften überworfen. Sein Republikanischer Herausforderer Bruce Rauner hingegen konnte sich zuletzt dadurch profilieren, dass er einen Einreisestopp aus jenen afrikanischen Ländern forderte, in denen das Ebola-Virus grassiert. Rauner bekam am Ende 50,7 Prozent der Stimmen.

Nicht überall lief es gut für die Republikaner

In einigen Bundesstaaten mussten die Republikaner hingegen Niederlagen einstecken: In Alaska siegte der unabhängige Kandidat Bill Walker gegen den Republikanischen Gouverneur Sean Parnell. In Pennsylvania löst der Demokrat Tom Wolf Amtsinhaber Tom Corbett ab. In Connecticut gelang es dem Demokratischen Gouverneur Dannel P. Malloy Hochrechnungen zufolge, sein Amt gegen Herausforderer Thomas C. Foley zu verteidigen. Und im Kopf-an-Kopf-Rennen in Rhode Island triumphierte die bisherige Schatzmeisterin ("General Treasurer") des Bundesstaats, Gina M. Raimondo.

Zu den Verlierern der Wahl zählt hingegen der Demokrat Jason Carter, Enkel von Ex-Präsident Jimmy Carter, der in Georgia deutlich dem republikanischen Amtsinhaber J. Nathan Deal unterlag. In Wisconsin brachte sich derweil der Republikaner Scott Walker als möglicher Präsidentschaftskandidat bei der Wahl 2016 in Stellung: Walker schlug seine Herausforderin Mary Burke mit deutlichem Vorsprung.

© SZ.de/lala
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