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Goslars Bürgermeister Oliver Junk:Junk: Flüchtlinge sollen sich in Goslar wohlfühlen

Angenommen, die Balkanflüchtlinge fielen weg. Sind Sie der Ansicht, die Strukturprobleme Goslars lassen sich mit Flüchtlingen aus Krisengebieten lösen?

Strukturprobleme lösen - so hoch möchte ich es mal nicht hängen. Aber in den Flüchtlingen liegt eine große Chance für Städte wie Goslar. Im Übrigen liegt auch in der Aufnahme der Balkanflüchtlinge eine Chance für Deutschland, aber eben nicht als Asylbewerber, sondern als Einwanderer. Städte wie Goslar haben ohne dauerhaften Zuzug keine Chance. Und in jedem Flüchtling steckt natürlich ein potentieller Zuwanderer. In dem Sinne sage ich: Flüchtlinge sind zuerst Chance und nicht zuerst Last.

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Von der Politik wird ja oft unterschieden zwischen nicht gewünschten Asylsuchenden und gewünschten, weil beruflich qualifizierten Einwanderern. Sie ziehen diese Grenze nicht?

Zwischen guten und schlechten Einwanderern? Nein, die mache ich nicht. Ich mache den Unterschied zwischen denen, die eine realistische Chance haben auf Erfolg ihres Asylantrags, und denen, die wir als Einwanderer prüfen müssen. Die Menschen vom Balkan müssen raus aus den Asylverfahren, hinein in ein Einwanderungsverfahren.

Sie sind also für ein Einwanderungsgesetz?

Ja.

In der Form, wie es die SPD vorschlägt?

Mit den Gedanken, die CDU-Generalsekretär Peter Tauber schon mehrfach sehr gut und klug formuliert hat.

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Geraten Sie mit Ihren Ideen nicht in Konflikt zu Ihrer eigenen Partei oder der CSU, der Sie ja auch lange Jahre angehörten? Sie stehen da - bis auf Herrn Tauber - ziemlich quer.

Das empfinde ich nicht so, ich sehe sehr viele Menschen in der CDU, die ein Interesse an einem Einwanderungsgesetz haben. Und auch in der CSU sehen das viele nicht so wie die CSU-Landesleitung. Ich sehe mich nicht in einer Minderheitenposition.

Sie sagen, Sie hätten Wohnraum für Flüchtlinge. Aber wie wollen Sie denn die Menschen wirklich integrieren?

Die haupt- und ehrenamtlichen Strukturen, die wir haben, müssten natürlich mitwachsen. Die Wohnung ist nur ein Teil von vernünftiger Integration. Dezentraler Wohnraum ist allerdings etwas ganz Wichtiges - und er schafft ja auch wirtschaftliche Freiräume. Eine Wohnung in Goslar kostet lang nicht so viel wie eine Wohnung in Göttingen. Die Gelder, die frei werden durch niedrigere Wohnkosten, kann ich auch für Integration nutzen. Ein Flüchtling kostet pro Jahr in Göttingen etwa 11 000 oder 12 000 Euro im Schnitt, im Landkreis Goslar nur 8000 Euro. Überdies ist Goslar von der sozialen Infrastruktur durchaus in der Lage, vernünftige Integrationsprozesse zu starten, dafür zu sorgen, dass Menschen bei uns bleiben und sich wohlfühlen, auch Arbeit finden.

Wenn man so auf Ihrer Facebook-Seite nachguckt, herrscht keineswegs nur Zustimmung für Ihre Idee. Von "Wahnvorstellungen" ist die Rede. Ihnen wird vorgeworfen, dass es eine reine Ego-Nummer sei. Wie wollen Sie die Bürger überzeugen?

Ich versuche, den Menschen zu erklären, dass wir den Wohlstand, den wir im Moment in Goslar haben, nur erhalten können, wenn Menschen von außen kommen. Und dass in Flüchtlingen, die kommen, eine Chance steckt, wenn wir sie gut integrieren und sie bei uns bleiben. Und ich versuche, den Menschen zu erklären, dass da Menschen in Not sind, denen wir helfen können und auch sollten. Und da spüre ich in Goslar überwiegend Zustimmung, auch aus dem bürgerlich-konservativen und insbesondere aus dem kirchlichen Spektrum.

Wie geht's jetzt also weiter mit Ihrer Idee?

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Ich erwarte, dass Bund und Länder das Problem der sogenannten Balkanflüchtlinge ganz schnell lösen. Und ich erwarte vom Land Niedersachsen, dass die Balkanflüchtlinge nicht mehr auf die Kommunen verteilt werden. Ich erwarte ein klares Signal an die Kommunen, mit welchen Flüchtlingszahlen wir nächstes oder übernächstes Jahr zu rechnen haben. Und ich erwarte vom Land Niedersachsen, dass man meinen Gedanken mit weiterentwickelt, moderiert und versucht, so ein Goslarer Modell positiv zu begleiten. Denn Goslar allein löst kein Problem, kann aber beispielgebend für Kommunen in ganz Deutschland sein.