Golfstaaten und Iran Vertrauensbildung auf persisch

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif ist unterwegs am Golf.

Wenn Iran und die USA sich nach 30 Jahren versöhnen, könnten die arabischen Golfmonarchien die großen Verlierer sein. Teherans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif fährt darum in einer großen Beschwichtigungsoffensive zu den Nachbarn am Golf. Doch der Besuch verrät eine tief sitzende Nervosität.

Von Tomas Avenarius, Teheran

Wie auf einer Wolke orientalischen Puderzuckers war der Iraner eingeschwebt: Gleich vier der sechs arabischen Golfmonarchien besuchte Teherans Außenminister Mohammad Dschawad Sarif in den vergangenen Tagen - der Diplomat gilt wegen seines Charmes und seiner Mediengewandtheit als neue Wunderwaffe der Islamischen Republik.

"Es gibt keine Grenzen für die freundschaftliche und brüderliche Zusammenarbeit mit den Golf-staaten", säuselte das Außenministerium an die Adresse seiner Gegner auf der Arabischen Halbinsel. Sarifs Beschwichtigungsoffensive galt den Staaten, für die am meisten auf dem Spiel steht: Die Golfaraber könnten die großen Verlierer sein, wenn Iran und die USA sich nach 30 Jahren versöhnen.

Sarifs Charmeoffensive folgte unmittelbar auf die vorläufige Einigung im Atomstreit, die Teheran mit den P5+1-Staaten Mitte November in Genf getroffen hatte: Nach dem Ausgleich mit dem Westen will Iran nun die Sicherheitsbedenken der Öl- und Gasstaaten am gegenüberliegenden Ufer des Persischen Golfs bedienen. Die im Golf-Kooperationsrat (GCC) zusammengeschlossenen arabischen Monarchien befürchten eine militärische, wirtschaftliche und kulturelle Vormacht des Nachbarn, wenn die Islamische Republik vom Paria-Staat wieder zum Partner wird.

In Saudi-Arabien durfte Sarif nicht vorsprechen

Hundert Prozent gelungen ist Sarifs Initiative sicher nicht. Der GCC begrüßte zwar die Genfer Atom-Einigung und den "neuen Ansatz" Irans, der aber zu "konkreten Schritten hin zu Frieden, Sicherheit und Stabilität in der Region führen muss". Gleichzeitig beschloss der Golfrat Handfestes: Den Ausbau seines eigenen Systems kollektiver Sicherheit. Gebildet wird ein gemeinsames GCC-Militärkommando. Die USA versprachen den Arabern zudem noch engere militärische Zusammenarbeit und neue Waffen.

Beim wichtigsten Staat der Region durfte Sarif ohnehin nicht vorsprechen. Saudi-Arabien, Vormacht der Golfaraber, stand nicht auf seinem Programm. Der Schlüssel für eine erfolgreiche Reintegration Irans in den Nahen und Mittleren Osten liegt aber in Riad: Der Energieriese Saudi-Arabien fürchtet um seine Rolle, wenn der Öl- und Gasproduzent Iran auf dem Weltmarkt wieder ungehindert verkaufen kann. Die Saudis wehren sich zudem verbissen gegen den wachsenden Einfluss Irans in der arabischen Welt.

Über die Hisbollah-Miliz kontrolliert Teheran den Libanon, im syrischen Bürgerkrieg kann sich Präsident Baschar al-Assad nur Dank iranischer Unterstützung an der Macht halten. Dass Saudi-Arabien und Iran religiöse Differenzen haben, verkompliziert die Lage weiter. Die Iraner sind die Vormacht der Schiiten, die Saudis sehen sich als Führer der Sunniten. Sarif versuchte es mit schönen Worten: "Wir glauben, dass Iran und Saudi-Arabien zusammenarbeiten sollten auf dem Weg zu Frieden und Sicherheit in der Region." Saudi-Arabien sei "enorm wichtig".