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Kommentar zur Trump-Reise:Iran und Saudi-Arabien - in beiden Ländern ist der Reformdruck stark

Beide Systeme, die Islamische Republik mit ihrer revolutionären Ideologie, wie auch der saudische Rentierstaat mit seiner absoluten Monarchie, sind massivem Veränderungsdruck ausgesetzt. In beiden Ländern wollen viele Menschen graduelle Reformen, aber keine revolutionären Umstürze. Und auf beiden Seiten des Golfs bremsen konservative und klerikale Eliten, denn sie sind Nutznießer der bisherigen Verhältnisse.

In Riad hat Königssohn Mohammed bin Salman einen weitreichenden Umbau des Landes angestoßen, den viele junge Saudis begrüßen, der aber auch auf Widerstände stößt. Das hat die Rücknahme der Gehaltskürzungen für die Staatsbediensteten gezeigt.

Europa muss eine Mittlerrolle einnehmen

Die Versuchung in der Region ist groß, auf Bedrohungen von außen in scharfer Form zu reagieren und damit einen Teil des Veränderungsdrucks zu kanalisieren und abzuleiten. So albern viele Iraner die "Tod-Amerika"-Rufe beim Freitagsgebet finden: Sie dienen der ideologischen Selbstvergewisserung mancher Teile der Gesellschaft und des Sicherheitsapparats, die ihren Machtanspruch anders nicht rechtfertigen können, gar obsolet würden.

Waren die USA unter Obama auf Ausgleich bedacht und vermieden es, sich in der politisch instrumentalisierten Auseinandersetzung zwischen Sunniten und Schiiten auf eine Seite zu schlagen, wollen Trump und seine Leute Iran isolieren und eindämmen.

Europa kann und muss in dieser Situation eine Mittlerrolle einnehmen, auch wenn ihm die harten Mittel der Macht fehlen, um wirklich Einfluss zu nehmen. Das Festhalten am Atomabkommen mit Iran gehört genauso dazu wie die Pflege der Beziehungen zu beiden Seiten des Golfs.

Saudi-Arabien und Iran sind schwierige Partner, aber unverzichtbar für die Lösung der Konflikte in der Region. Nur wer ernsthaft mit beiden Seiten redet, leistet einen glaubhaften Beitrag, die wachsende Gefahr einer Konfrontation zu bannen. Wenn das nicht gelingt, scheitert die Hoffnung der jungen Generation - in Iran wie in Saudi-Arabien.

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US-Präsident Donald Trump hält beim Besuch in Riad eine Grundsatzrede zum Islam. Der Krieg gegen den Terror sei ein Ringen "zwischen Gut und Böse".