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Kommunalwahl in Sachsen:Die Frage nach der Herkunft

Wippel sitzt für die AfD im Sächsischen Landtag. Zur Kommunalwahl soll er als Spitzenkandidat für die Partei den Sieg in Görlitz erringen. Die Europastadt an der Neiße ist auch Heimat des CDU-Politikers und sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer. Das macht sie für die AfD zur begehrten Trophäe. Alice Weidel war schon da, um Wippel im Wahlkampf zu unterstützen. Für die kommenden Tage hat sich Jörg Meuthen angekündigt.

Der Kandidat hat einen vollen Terminkalender: Infostand, Mittagessen im Mehrgenerationenhaus, Diskussionsrunde über deutsch-russische Beziehungen. Für das Gespräch hat er in sein Abgeordnetenbüro im Stadtzentrum geladen. Draußen haben Unbekannte rote Farbe gegen die Fenster gekippt. Drinnen sitzt Wippel am grauen Besprechungstisch. Er ist Jahrgang 1982, wie Franziska Schubert. Auch sonst gibt es interessante Parallelen:

Beide sind Christen, haben lange in Niedersachsen gelebt. Beide sind Rückkehrer. Beide sprechen von "Heimat".

Beide haben einen völlig unterschiedlichen Blick auf Görlitz.

"Die Stadt ist eine Perle", sagt Wippel. Gleichzeitig mache er sich Sorgen. Wegen der Arbeitslosigkeit, aber vor allem aufgrund der Sicherheitslage in der Stadt. Laut offizieller Statistik ist die Zahl der Straftaten in der Region auf einem neuen Tiefststand seit Öffnung der Grenzen Ende 2007. Besonders Einbrüche und Drogendelikte bleiben jedoch ein großes Problem.

Alles für Deutschland

Wippel kennt die Zahlen besser als jeder Laie. Er ist Polizeioberkommissar, arbeitet immer noch mehrere Stunden auf dem Görlitzer Revier. Wippel findet, man solle keine voreiligen Schlüsse aus der Statistik ziehen. Er beschreibt Görlitz als Stadt in Angst. Von Vergewaltigung ist die Rede. Von Jugendlichen, die Hundebesitzer anpöbeln, Schläge androhen. Neulich, so erzählt Wippel, sei einem Mann mit einer Gürteltasche ins Gesicht geschlagen worden, die mit einem Stein beschwert war. "Das erleben die Leute hier", sagt er. Im Zusammenhang mit den Tätern spricht er immer wieder von "Neueingewanderten". Fragt man Wippel nach seinem eigenen Sicherheitsgefühl sagt er: "Ich bin 1,90 Meter groß und kampfsporterprobt." Es klingt wie eine Drohung.

Die Leitlinien seiner Politik hat Wippel mal so zusammengefasst: "Richtig ist, was für Deutschland gut ist. Richtig ist, was für das deutsche Volk gut ist. Und was richtig ist, muss gemacht werden. Und ich werde es tun." In Görlitz setzt er sich für Grenzsicherung, mehr Polizei und Videoüberwachung ein. Er will den Mittelstand stärken und um Rückkehrer werben, nicht aber um Fachkräfte aus dem Ausland wie es derzeit die Stadt macht. Wippel forderte in der Vergangenheit sogar einen vorübergehenden Zuzugsstopp.

Landtag Sachsen

Sebastian Wippel im Sächsischen Landtag.

(Foto: dpa)

Wer gehört dazu, wer nicht?

Die Zahl der im Landkreis Görlitz lebenden Polen hat sich innerhalb der vergangenen fünf Jahre verdoppelt. Mehr als 5000 wohnen mittlerweile hier. Es gibt ein deutsch-polnisches soziokulturelles Zentrum, einen deutsch-polnischen Frauenverein, deutsch-polnische Schulpartnerschaften. Wippel, so fürchten seine Gegner, will trennen, was über Jahre in Görlitz zusammengewachsen ist.

Polen und Deutschland. Görlitz und Zgorzelec. Einheimische und Zugereiste. Wer gehört dazu, wer nicht? Das ist die zentrale Frage, die Wippel im Wahlkampf stellt. Die eigene Herkunft bestimmt aus seiner Sicht über die Eignung als Oberbürgermeister. "Ein Görlitzer. Mit Sicherheit", so wirbt er auf Plakaten für sich und seine Partei. "Görlitzer ist, wer hier geboren wurde", sagt Wippel. Nach dieser Definition wäre Franziska Schubert eine Fremde, genauso der Mitbewerber der CDU. Wippel nicht. Er ist in der Stadt aufgewachsen, trainierte im Turn- und Sportverein. Vielleicht ist das am Wahlsonntag egal - vielleicht aber auch nicht.

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