Glosse:Das Streiflicht

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Caren Miosga zufolge ist die SPD mit ihren Katarina-Barley-Plakaten „um die Ecke gekommen“. Was für eine Ecke war das, und was verbarg sich hinter ihr?

(SZ) Wenn es unter den Wahlbeobachtern eine gesicherte Erkenntnis gibt, dann die, dass man Olaf Scholz nicht auf die Plakate hätte nehmen sollen. Das mag so sein, gibt aber keine Antwort auf die Frage, woher diese Plakate kamen. Bei den Plakaten, die Katarina Barley allein zeigten, lässt sich zumindest ein Teil des Wegs nachzeichnen, den sie nahmen. Caren Miosga hat nämlich noch am Wahlsonntag in der Sendung „Caren Miosga“ Kevin Kühnert unterstellt, die SPD sei damit „um die Ecke gekommen“. Das hört sich zunächst völlig harmlos an und lässt die Vermutung zu, dass hinter der Ecke nichts anderes war als die Druckerei, aus der die Barleys stammten. So einfach ist es aber nicht, weil Redewendungen fast immer einen doppelten Boden haben. Beim Um-die-Ecke-Kommen summt es in diesem Nebenbedeutungshohlraum zwar nicht annähernd so bedrohlich wie beim Um-die-Ecke-Bringen, aber die damit verbundene Irritation, das leichte Gefühl der Bedrohung, ist spätestens seit Corona nicht mehr wegzuleugnen.

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