Glosse:Das Streiflicht

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In unserer glanzlosen Zeit haben es die schillernden Figuren schwer. Aber was, bitte, wäre unsere Welt ohne die Diven?

(SZ) Den geistig flexibleren Vertretern des deutschen Bildungsbürgertums, also jenen, die dem Zeitgeist folgend akzeptiert haben, dass Bier, Bratwurst und Bundesliga die Grundpfeiler unserer Leitkultur sind, geht sofort ein Licht auf, wenn das Wort „Diva“ ihren Konversationsraum betritt. „Ha“, sagen sie, „klar doch!“ Und dann, nach einer kurzen Pause, die die Umstehenden auf die Tiefe der zu verkündenden Erkenntnis vorbereiten soll: „Eintracht Frankfurt – die launische Diva.“ Bewohnern anderer Planeten, die eine Viererkette für den zentnerschweren Halsschmuck eines Gangsta-Rappers halten, sei gesagt: Wer für die Eintracht kickt, ist vertraglich verpflichtet, das eine Mal wie ein Gott und das andere Mal wie 1860 München zu spielen, was in der Gesamtschau zu einem kapriziös anmutenden Spielverständnis führt, dem das Ausleben diverser Gemütslagen wichtiger ist als der Erfolg. Eigentlich ein sympathisches Konzept, das der schnöden Effizienz kapitalistischen Wirtschaftens in romantischer Manier die lange Nase zeigt.

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