(SZ) Zu den Gedichtzeilen, die einem sehr leidtun können, weil sie so oft zitiert worden sind, dass man wünscht, sie wären nie geschrieben worden, zählt Heinrich Heines „Denk ich an Deutschland in der Nacht“. Die meisten Menschen, die sie zitieren, glauben, sie seien die allerersten, die diese Zeile aus dem tiefen Grund des poetischen Hausschatzes gehoben haben. Andere wiederum geben sich clever, indem sie darauf hinweisen, dass der Dichter nicht etwa deshalb schlecht schläft, weil ihm das Schicksal seines Heimtlandes den Schlaf raubt, sondern weil er seine Frau Mutter so lange nicht gesehen hat. Wie dem auch sei, der Vers mit Deutschland und der Nacht ist ähnlich berühmt wie die Zeile „Wir sind Papst“, die der leider schon verstorbene Politikchef der Bild-Zeitung, Georg Streiter, 2005 ersonnen und der damalige Chefredakteur Kai Dieckmann als geflügeltes Wort in die sehr beeindruckte Welt geschickt hat. Heute ist die Welt insgesamt ungleich beeindruckter als damals, und der Papst sind nicht mehr wir, sondern eher die anderen, jedenfalls stammt er aus dem Land derer, die die Welt gerne in Wir und die anderen unterteilen möchte. Leo ist Amerikaner, aber einer, der eher an das Himmelreich und weniger an das Goldene Zeitalter glaubt.
GlosseDas Streiflicht
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Der amerikanische Papst Leo hat eine nächtliche Leidenschaft, die uns Deutschen demnächst einmal zugutekommen wird.