(SZ) Hamburg ist bekanntlich kaum etwas anderes als Herne mit Meeranbindung. Neulich nannte der Hamburger Sportsenator Andy Grote einen interessanten Grund dafür, dass Hamburg Olympiastadt werden sollte: „Das Bild Deutschlands darf nicht allein durch Bayern geprägt werden.“ Wie die hanseatische Bewerbungsbewerbung ausgegangen ist, weiß man inzwischen. Jedoch bedarf der Bayern-Gedanke unbedingt intensiver Nacharbeit. Lederhosen, Schloss Neuschwanstein, das Oktoberfest, der „Ring“ in Bayreuth, Hubert Aiwanger – das alles sind Kulturgüter, die nicht nur typisch bayerisch sind, sondern im Ausland gerne als typisch deutsch gesehen werden. Manches aus dieser unvollständigen Liste ist dem wirklichen Bayern zwar ein Gräuel. Aber gegen Klischees kann man sich schwer wehren, was man auch daran sieht, dass auf dem Cannstatter Wasen Lederhosen und Dirndl getragen werden, obwohl die schwäbischen Schwaben mit den Bayern lediglich gemeinsam haben, dass ihre Territorien 1806 von Napoleon zu Königreichen gemacht wurden. Notabene sind die bayerischen Schwaben (Augsburg etc.) so etwas wie die fränkischen Bayern (Nürnberg etc.): Menschen, aber keine Bayern – Karl Valentin, Gerhard Polt, Kaiserin Sisi – im strengen Sinne.
GlosseDas Streiflicht
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Bayern ist nicht Deutschland. Aber gerade deswegen braucht Deutschland Bayern.