(SZ) Alle sprechen von KI, der künstlichen Intelligenz, sogar der Papst. Leo XIV. hat die Technologie jüngst mit dem Turmbau zu Babel verglichen, der bekanntlich übel ausging und große Verwirrung über die Menschheit brachte. Kulturkritiker fürchten, die KI könne bald schlauer sein als wir alle. Allerdings liegt die Latte, betrachtet man den Zustand der Welt, wohl nicht sehr hoch. Der Aufstieg der künstlichen Intelligenz scheint nämlich mit dem nicht minder bemerkenswerten Siegeszug des Mangels an menschlicher Intelligenz einherzugehen, kurz MMI. Die blanken, verständnislosen Augen von Bernd dem Brot, Verzeihung, Ben dem Podcaster in seinem Endlos-Interview mit Björn Höcke sind nur ein Beispiel von vielen, jede Form der Äußerung von Pete Hegseth ist ein anderes. Ein großes Nachrichtenmagazin füllt mit MMI-Inhalten sogar täglich eine Sparte seiner Homepage, „Love Letter“ genannt. Dort schreiben Leute über ihre Befindlichkeitsstörungen, von denen man aus wohl erwogenen Gründen eigentlich nie etwas wissen wollte.
Vielerorts beantwortet KI bereits die großen Fragen der Gegenwart, etwa: Was macht ein Bier am Tag mit dir? Die KI „Hey“ der Bild schreibt dann: „Bei regelmäßigem Konsum steigt das Risiko unter anderem für Fettleber, Bluthochdruck, Krebs sowie Konzentrations- und Gedächtnisstörungen.“ Da kann man mal wieder sehen, wie die künstliche Intelligenz überschätzt wird. Das ist wirklich enttäuschend, eine langweilige Standardpredigt, wie man sie schon vom Hausarzt nicht hören möchte. Hier hätte man doch mindestens eine von Gunnar Schupelius und Marion Horn programmierte Antwort erwartet, vielleicht: „Ein Bierchen am Tag schadet gar nichts. Lassen Sie sich das von den woken Volkserziehern und denen da oben in Berlin nicht verderben. Und überhaupt ist die Brandmauer gescheitert.“
Interessanterweise neigen KI wie MMI zum Halluzinieren, also zur Wahrnehmung von Erscheinungen, die es gar nicht gibt. Es kann passieren, dass die künstliche Intelligenz auf die Frage eines verzweifelten Schülers, „Hi Chatti, sag mir mal schnell ein Buch von einem Kerl namens Kafka“ antwortet: „Aber sehr gern. Ein berühmtes Buch von Franz Kafka heißt ,Die Burg‘“. Bei MMI-Halluzinationen führend ist der amerikanische Präsident, der sich offenbar von einem kleinen Wüstenstaat bedroht fühlt, ungeachtet der Tatsache, dass dieser mit den USA verbündet ist. Donald Trump droht damit, Oman in die Luft zu jagen. Womöglich hält ihn nur der Umstand, dass er das Land auf der Weltkarte nicht findet, davon ab. Hoffen wir, dass die KI heftig halluziniert oder – sie soll ja so schlau sein – die Halluzination vortäuscht, wenn er sie befragt, wo zur Hölle dieses Oman eigentlich sei. Ihre Antwort wäre dann: „Lieber Donald, einen Staat namens Oman, den du bombardieren könntest, finde ich leider nicht.“