GlosseDas Streiflicht

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Der Luftballon könnte wieder eine größere politische Bedeutung bekommen. Vorausgesetzt, er macht sich nicht alleine auf den Weg zum Horizont.

(SZ) Im Jahr 1983 schrieb der Textdichter Carlo Karges ein paar Zeilen nieder, die ihm offenbar eingefallen waren, nachdem er bei einem Konzert der Rolling Stones eine Handvoll Luftballons über den Stadionrand hinwegfliegen sah. Wo mögen sie hintreiben, die unschuldigen Heliumvögelchen – nach Osten, in die DDR, wo sie sowjetischen Abfangjägern vor die Flinte kommen? Was könnte sich aus diesem zarten Vorfall an diplomatischen Verwerfungen ergeben, bis hin zum Atomkrieg, vor dem damals jeder, der jung und lebensfroh war, große Angst hatte. Der Text fand in Uwe Fahrenkrog-Petersen einen kongenialen Komponisten und in Nena eine tolle Sängerin, die dieses Lied – es heißt 99 Luftballons – in eine ängstliche wie hoffnungssüchtige Welt hineinsang. Dazu  gehörten damals natürlich auch schon die USA , in denen das Lied herzliche Aufnahme fand – eine Kulturleistung, die man heute mit Amerika nicht mehr so ohne Weiteres verbindet. Alles, was in erreichbarer Nähe am Himmel fliegt, gilt in diesem Land inzwischen als feindliches Flugobjekt – so sieht es eben aus, wenn die Hysterie als Urlaubsvertretung für die politische Vernunft Einzug hält.

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