(SZ) Der wahre deutsche Linke ist daran zu erkennen, dass er im Laufe seines Lebens in mindestens drei verschiedenen linken Parteien war. In neuerer Zeit wird dieses Phänomen nach dem Vornamen eines idealtypischen Parteiwechslers „Oskarismus“ genannt. Der Oskarismus zeichnet sich dadurch aus, dass seine Protagonisten, m/w/d, der Überzeugung sind, nicht ihre Prinzipien hätten sich verändert, sondern die Parteien, denen sie sich angeschlossen hatten, hätten diese Prinzipien verlassen oder gar verraten. Sahra Wagenknecht ist die gegenwärtig prominenteste Vertreterin des Oskarismus. Ihre Treue zu sich selbst ging so weit, dass sie trotz der ihr eigenen Bescheidenheit dem von der Linkspartei abgespaltenen BSW vorübergehend ihren Namen lieh. Das Bündnis, wen wundert’s, ist höchst uneinig. Die Thüringer BSW-Ministerriege zum Beispiel macht nicht das, was die Namensverleiherin will. Dabei, so der bayerische BSW-Oskarist Klaus Ernst jüngst auf dem Parteitag, sei die Thüringer BSW doch „nur wegen Sahra“ erfolgreich gewesen: „Keiner wurde gewählt, weil er besonders gut oder besonders schön war.“
GlosseDas Streiflicht
Lesezeit: 2 Min.
Friedrich Merz ist weder gut noch schön. Ist er deswegen oder trotzdem zum Kanzler gewählt worden?