GlosseDas Streiflicht

Lesezeit: 2 Min.

Viele Menschen haben ihren Namenspatron nicht mehr auf dem Schirm. Dabei könnte jeder einen gebrauchen.

Nur jeder Fünfte in Deutschland kennt seinen Namenspatron. Eine Umfrage im Auftrag der Katholischen Nachrichten-Agentur hat dieses Kräfteverhältnis zutage gefördert im lebenslangen Spiel um die Frage nach dem Zauber und der Kraft, die einem der eigene Name verleihen kann.  Aber was heißt schon „nur“? Immerhin 22 Prozent der Befragten wussten, welche Person sich hinter Johanna oder Joachim verbirgt, nämlich ein von der katholischen Kirche sprich dem Papst heiliggesprochener Mensch. Joachim – „Gott hat (ihn) aufgerichtet“ – ist als Vater Marias sogar der Patron der Ehemänner, mehr Unterstützung geht nicht. Das ist wahrhaftig keine Kleinigkeit, wenn nichts Geringeres als das Heilige seinen Einfluss zusätzlich geltend machen kann. Wer Näheres erfahren will, braucht nur auf die Website des katholischen Heiligenkalenders zu klicken, um sich mit mehr als 1800 „Glaubensvorbildern“ vertraut zu machen.

Warum dies überhaupt wichtig ist? Die Namenspatrone haben als Heilige einen direkten Draht zu Gott. Sie können Fürsprache für ihren Schützling einlegen. Atheisten werden jetzt mit den Schultern zucken, weil sie dieser Instanz, atheistisch wie sie sind, die Existenz absprechen und von Wundern, die sie nicht selbst herbeigeführt haben, wenig halten. Gläubige Menschen, aber auch solche, die sich nicht sicher sind, ob sie nun gläubig sind oder nicht, auch esoterisch veranlagte Zeitgenossen, ach, warum denn nicht alle Menschen sollten sich fragen, was dagegen einzuwenden ist, sich in schwierigen Zeiten der Unterstützung jeder nur verfügbaren höheren Macht zu versichern. Deshalb wird ja der Namenstag in manchen Gegenden noch immer genauso freudig gefeiert wie der Geburtstag. Dass dieser Namenstag bei Märtyrern wie der heiligen Johanna in der Regel ihr gewaltsam herbeigeführter Todestag ist, hat allerdings einen traurigen Beigeschmack.

Das sollte aber niemanden davon abhalten, sich zu fragen, wer sein Fürsprecher sein könnte. Natürlich dürften keinerlei Grenzen bei der Auswahl des Namenspatrons gesetzt werden. Der Papst kann nur verstorbene Persönlichkeiten erst selig- und dann heiligsprechen, Wunder müssen komplizierte Prüfverfahren durchlaufen. Bürokratische Zwänge sollten deshalb ausgeräumt werden: Wer Harald heißt, könnte Harald Schmidt auswählen oder den ersten christlichen König Dänemarks. Harald Blauzahn sei vom Missionar Poppo überzeugt worden, weil der ein glühendes Eisen in die Hand genommen habe und dabei unversehrt geblieben sei, wie es im Heiligenkalender heißt. Friedrich ist immer eine Option, weil Merz einen relativ guten Draht zu Trump hat. Dessen Geburtstag am 11.11. wäre ein leicht zu merkender Namenstag. Er hätte außerdem den Vorteil, Merz durch den an diesem Tag erscheinenden Prinz Karneval ersetzen zu können, wenn bei der Fürsprache nichts vorwärtsgeht.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Gutscheine: