(SZ) Donald Trump nickt jetzt öfter mal ein. Gnadenlos wie die Welt um ihn herum nun einmal ist, nennt sie ihn deshalb „Dozy Don“, den dösenden Don – das ist natürlich eine freche Analogie zu „Sleepy Joe“, so schalt Trump seinen zunehmend altersgebeugten Vorgänger Joe Biden. Wer wird bei Dozy Don nicht an den großen britischen Dichter Donne denken, der mit Vornamen John hieß, so wie Trump mit Zweitnamen John heißt? Und wem fällt bei John Donne nicht sofort die große Elegie ein, die Joseph (Joe) Brodsky auf ihn geschrieben hat: „John Donne ist in den Schlaf gesunken – alle Dinge um ihn herum schlafen auch: Wände, Bett und Boden – alles schläft.“ Zu Recht werden die vielen Anhänger des großen englischen Metaphysikers Donne die Analogie zum großen Metaboliker Trump als unbotmäßig zurückweisen, und sie haben ja auch recht damit. Wenn Donne schläft, dann schläft er gewissermaßen den Schlaf der Welt. Schläft aber Don bei einem Treffen mit Pharmazeuten im Oval Office ein, dann schläft er sich in den Spott derer hinein, die er selbst einst verspottet hat.
Natürlich steht kein anderer als der diabolische Gavin Newsom hinter dem Neologismus „Dozy Don“. Newsom ist der Gouverneur von Kalifornien und als solcher der offizielle Trump-Parodist der Demokraten. Newsom möchte den Präsidenten mit dessen eigenen Waffen schlagen, vor allem sprachlich. Würde Trump nicht immer so müde sein, hätte er Newsom längst Fake-Newsom genannt, aber wie gesagt, Trump schläft jetzt immer ein, bevor ihm etwas wirklich Gutes einfällt. Und die Leute um ihn herum, die schlafen zwar nicht ein, aber sie kommen auch im wachen Zustand auf keine witzigen Ideen. Sie haben auch sehr wenig Zeit dazu, denn sie müssen ja Trumps Schwächen unablässig als Ausdruck von dessen Genialität uminterpretieren. Nein, der Präsident habe nicht geschlafen, sondern sei bei dem Treffen mit den Pharmaleuten besonders konzentriert gewesen. Und wenn man einmal genauer hinschaut, wie Donald Trump da in dem äußerst bequemen Ledersessel sitzt, immer tiefer in die Konzentration auf die Gespräche hinein sinkend, dann kommt man zumindest zu dem Schluss, dass Schlaf und Meditation in einem Verwandtschaftsverhältnis stehen.
Wer sich alte Debatten aus dem Deutschen Bundestag anschaut, der sieht dort, besonders in den Reihen der SPD, alte schlafende Leute sitzen. Herbert Wehners Schlaf im Bundestag jedenfalls schien tiefer zu gehen als jeder Redebeitrag. Nur wenn Wehner zwei-, dreimal die Hand zum Beifall auf den Tisch fallen ließ, wussten die Zuschauer: Der Mann hatte alles mitgehört. Deshalb hütet euch und denkt an den Satz von Francisco de Goya: Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer. Trumps Schlaf, ob vernünftig oder nicht, ist für solche Geburten immer noch wie geschaffen.
