GlosseDas Streiflicht

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Die Umbenennung von Namen, Orten und Dingen verlief in der Geschichte nicht immer glücklich. Aber so dämlich wie beim neuen BSW ist es bislang nie gewesen.

(SZ) Eines Tages, das dritte nachchristliche Jahrtausend hatte gerade begonnen, saß John Roberts, zu diesem Zeitpunkt Chef der Royal Mail, der britischen Post, in seinem Büro und hatte eine Idee. Die Royal Mail trug ihren Namen seit 1635, damals wurde das Vereinigte Königreich von Charles I. regiert, dem später gegen seinen ausdrücklichen Willen der Kopf vom Rumpf getrennt werden sollte, und wann, fragte sich Roberts, hatte es je einen besseren Zeitpunkt gegeben, um diesen Namen zu ändern, als genau jetzt, da ein neues Millennium vor der Menschheit lag, unberührt und makellos wie der Rasen der Tennisplätze von Wimbledon kurz vor dem ersten Aufschlag des alljährlichen Grand-Slam-Turniers. Roberts heuerte eine Heerschar von externen Beratern an, die 6000 Namen prüften und begutachteten, die sie siebten wie einst die Goldsucher die Sedimente des Klondike, und am Ende ein, wie sie glaubten, wahres Nugget von Namen gefunden hatten. Roberts trat vor die Welt und sagte, der neue Name sei modern, bedeutsam und angemessen. Er beschreibe die ganze Bandbreite dessen, was die frühere Royal Mail leiste. Der Name lautete: Consignia.

Nun ist ihm dafür weder gegen seinen noch gemäß seinem ausdrücklichen Willen der Kopf vom Rumpf getrennt worden, wiewohl es Stimmen gab, die das immerhin sinngemäß forderten. Es war für alle außer für Roberts und die externen Berater klarer als die klarste Kloßbrühe, es war so glas- wie sonnenklar, es war so klar wie Klärchen, dass dieser Name so was von gar nichts taugte. Er klang wie der Name eines Nasensprays. Er klang wie der Name eines Kombimittels zur gleichzeitigen Behandlung von Blähungen und Nagelpilz. 16 Monate später war Roberts seinen Job los, und die Royal Mail hieß wieder Royal Mail.

Es ließ sich bisher nicht abschließend ermitteln, ob die Chefinnen und Chefs der deutschen Partei „Bündnis Sahra Wagenknecht“, kurz: BSW, Kenntnis haben von dieser dämlichsten Umbenennung in der reichen Geschichte der dämlichen Umbenennungen. Dass dem eher nicht so ist, deutet der Umstand an, dass sie nun beschlossen haben, ihre Partei in „Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft“ umzutaufen, mit dem, wie sie offenkundig dachten, cleveren Trick, die Adjektive gegen jede Rechtschreibregel großzuschreiben, damit immerhin die Abkürzung BSW noch funktioniert. Abgesehen davon, dass diese nun korrekt BSGuWV lauten müsste, haben sie sich mit dieser zweitdämlichsten Umbenennung der Geschichte auf einen Weg begeben, von dem es anders als im Fall der Royal Mail voraussichtlich kein Zurück gibt. Denn eine Partei, die ihren in Wahrheit einzigen Programmpunkt, mithin: Sahra Wagenknecht, aus ihrem Namen streicht, kündet von ihrem unterbewussten Wunsch, bald schon weg zu sein, oder kurz: bsw.

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