(SZ) Der Mond hat's nicht leicht. Er muss dauernd die Erde umrunden und wenn er genau hinschaut, sieht er immer wieder, wie dumm die Menschen sind. Anders als die wenigen Menschen, die mal die Erde aus dem All gesehen haben, hält der Mond den sogenannten blauen Planeten auch nicht für übermäßig majestätisch. Wenn man Millionen um Millionen Jahre von der Gravitationskraft der Erde in einer Umlaufbahn gehalten wird, kann man die Mondschnauze schon mal voll haben. Die Erde hält den Mond sozusagen in Leibeigenschaft. Der Mond würde mal gern mit Phobos und Deimos, den Kollegen, die um den Mars kreisen, Party machen. Oder, wenn der Mond mal richtig lange Urlaub von der Erde hätte, könnte er die 82 Monde des Saturn besuchen. Vielleicht wäre da eine nette Mondin darunter, mit der man eine Familie gründen könnte. Aber nein, man ist an die Erde gekettet, mit ihren Wölfen, die einen anheulen, mit den blöden Meeren, denen man zu Ebbe und Flut verhelfen muss, und den noch blöderen Menschen, deren Menschsein darin Ausdruck findet, dass sie auf den Mond wollen.
Die blödesten Menschen, könnte der Mond denken, dächte er denn, leben in den USA. Nicht nur, dass sie Gerümpel auf dem Mond zurückgelassen haben nach dem Motto: ein gewaltiger Sprung für die Menschheit, ein Wertstoffhof für den Mond. Nein, jetzt wollen sie auch noch einen Atomreaktor auf dem Mond bauen, weil die Russen, die Chinesen und die Inder auch daran denken. Deswegen will Donald, der Trumpist, wieder einmal allen zeigen, dass er natürlich den größten bauen kann. Sein Verkehrsminister Sean Duffy, der vom Fernsehen kommt und auch Chef der Nasa ist, hat angekündigt, bis 2030 wolle man so einen Reaktor auf dem Mond haben. Der soll für die Amerikanisierung des Mondes die nötige Energie liefern. (In Deutschland waren und sind die Verkehrsminister, vor allem die von der CSU, nicht für den Mond zuständig. Da hat der Mond noch mal Glück gehabt.)
Es gehört zu den eigenartigsten menschlichen Gemütszuständen, dass etwas, das da ist, bezwungen werden muss. Menschen steigen auf Berge, weil sie da sind; Menschen schwimmen durch den See, weil es ihn gibt; Menschen bauen Atombomben, weil sie es können. Die einen halten das für positiv wegen Forscherdrang, Ehrgeiz, Fortschritt. Die anderen halten es für Hybris, Angeberei, Naturfeindlichkeit. Elon Musk möchte den Mars besiedeln. Trump auch, wenn ihm nur mal jemand sagte, was dieser Mars eigentlich ist. Der Mond, so wird in Neumondnächten gewispert, fände es gut, wenn Amis, Chinesen und Russen sich dem Mars zuwendeten. Dann würde er wenigstens mit der Tschernobyl-Technik in Ruhe gelassen. Außerdem, erinnert sich der Mond, sind die, die später Trump, Putin und Xi hervorbrachten, ohnehin vor langer Zeit mit Raumschiffen auf der Erde gelandet. Einfach weil sie da war.