GlosseDas Streiflicht

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Die rauflustige Bundestagspräsidentin sollte lieber einem friedlichen Vorbild folgen, das auch noch ständig um sie herumläuft.

(SZ) Der Spiegel, seit Jahrzehnten bekannt für die schonungslose Enthüllung politischer Missstände, ist erneut einem Skandal auf der Spur: Das Nachrichtenmagazin meldet, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner stehe im Verdacht, die Würde ihres Amtes zu missachten. Im konkreten Fall geht es jedoch weniger um den rauflustigen Umgang der CDU-Politikerin mit politischen Gegnern oder – wie sie die Sache sieht – aufs Abscheulichste bemützten linken Zauseln, sondern um Ella. So heißt der Doodle Klöckners, und schon das alberne Wort Doodle muss doch in den Ohren aufrechter Demokraten klingen wie eine Verhöhnung des Hohen Hauses. Dahinter verbirgt sich eine gewisse Spezies von Pudel-Mischlingen, zu denen also Ella gehört, die ständige Begleiterin der Bundestagspräsidentin. Noch schlimmer, Frau Klöckner zeigt Ellas und ihr eigenes Fehlverhalten auch noch stolz auf Instagram, wie der Spiegel missbilligend schreibt: „Da ist Klöckner zu sehen, wie sie aus einem Dienstwagen aussteigt, auf dem Rollfeld, auf dem Weg zum französischen Präsidenten. Ella federt neben ihr.“

Bei allem Respekt, vielleicht hätte die Frage nähergelegen, ob im modebewussten Paris nicht der grellpinke Hosenanzug der Christdemokratin das Auge des Präsidenten eher zu beleidigen drohte als das wuschelige Hundetier der Besucherin. Denkbar wäre freilich gewesen, dass Ella ihn zu beißen versucht hätte, aus schierer Angst vor jener „Überdosis Virilität“, welche eine sensible Kritikerin angesichts der jüngsten Fotos Macrons monierte; diese zeigen ihn schweißbedeckt beim Verprügeln eines Boxsacks. Aber da muss man sich keine Sorgen machen. Ella ist von erkennbar friedlichem Wesen. Und selbst im gegenteiligen Fall wäre es für Emmanuel Macron ein Leichtes gewesen, den Hund mittels eines gepflegten Roundhouse-Kicks zurück nach Bad Kreuznach zu befördern.

Aber das ist nur eine hypothetische Vorstellung. Ella ist wie gesagt verträglich, sympathisch und eine treue Begleiterin. Verfolgt man hingegen das politische Wirken der Bundestagspräsidentin in jüngster Zeit, so scheint Ellas Halterin nicht frei von einer gewissen Grundgereiztheit zu sein, die alle zu spüren bekommen, die es wagen, ihr mit dem falschen T-Shirt oder einer Pride-Flagge unter die Augen zu treten. Das mag erstaunen, handelt es sich bei Julia Klöckner doch um eine frühere Deutsche Weinkönigin, ein Amt, das bekanntlich nur mit einem Höchstmaß an Toleranz und Gelassenheit zu bewältigen ist. Nein, Julia Klöckner würde der Würde des Parlaments nicht gerecht, indem sie die arme Ella daheim ließe (und wir wissen doch alle, wie schwer es heutzutage ist, einen guten Hundesitter zu finden). Unser Rat an dieser Stelle an die Präsidentin des Deutschen Bundestages ist ein gänzlich anderer: Mehr Ella wagen!

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