Glosse: Das StreiflichtDer Teppich von Bayeux entspricht nicht mehr den Kriterien der Achtsamkeit

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Alles nichts als Machismo! Der Teppich von Bayeux aus dem späten 11. Jahrhundert, derzeit im British Museum in London zu sehen.
Alles nichts als Machismo! Der Teppich von Bayeux aus dem späten 11. Jahrhundert, derzeit im British Museum in London zu sehen.
Jonathan Brady/Jonathan Brady/PA Wire/dpa

Nur Alpha-Männer, die sich auf die Topfhelme hauen: Die Bilderwelt des 11. Jahrhunderts bedarf dringend einer zeitgemäßen Überarbeitung. Wir wüssten da jemanden vom Fach.

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(SZ) Reiter, die einander auf die Topfhelme dreschen; Waffennarren, die vom Pferd fallen; bedauernswerte Pferde, unsere Mitgeschöpfe, die zum Kriegsdienst gezwungen werden; rüpelhafte, gewalttätige Männer zu Hunderten, aber nur sechs Frauen, die natürlich irgendwas mit Haushalt machen! Ja, sehen diese Besucher, die zu Zehntausenden in die Londoner Ausstellung mit dem Teppich von Bayeux strömen, denn gar nicht, welche toxischen Stereotypen und diskriminierenden Rollenbilder sie damit unterstützen? Der Teppich aus dem 11. Jahrhundert zeigt auf fast 70 Metern mit vielen verstörenden und ohne Rücksicht auf sensible Menschen gestickten Bildern die völkerrechtswidrige Seelandung des Normannenherzogs Wilhelm des Eroberers in England 1066. Mag sein, dass dieses Geschehen den Lauf der Weltgeschichte geändert hat, wie Historiker behaupten, aber darum kann es hier doch gar nicht gehen. Wer nur ein Minimum an zeitgemäßer Achtsamkeit aufbringt, muss diese Ausstellung nur als ausgemachten Skandal betrachten.

Umso wichtiger ist es, dass eine kulturkritische Einordnung durch die BBC den Teppich von Bayeux jetzt als das entlarvt, was er ist: „eine suggestive Zurschaustellung von sich auf die Brust trommelndem Machismo“. Und denke niemand, die Angegriffenen seien moralisch überlegen. Die bewaffnete Konfrontation zwischen Wilhelm dem Eroberer und dem angelsächsischen König Harold, der dabei sein Leben lässt, ist nichts „als das Duell zweier Alpha-Männchen“, rügt der Kulturhistoriker Dr. Christopher Monk in jenem BBC-Beitrag, und er fügt sogar an, wir müssen hier aber bitte eine Triggerwarnung aussprechen: „Eine Szene, die noch mehr von Testosteron geschwängert wäre, wird schwer zu finden sein.“

Was also tun, um weiteren Menschen diese verstörenden Darstellungen zu ersparen? Das Streiflicht weiß Rat. Wie wäre es, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt München mit einer sensiblen Kontextualisierung zu betrauen? Die Welt ist schließlich ein gerechterer Ort geworden, seit sie einige jahrzehntealte Wiesnfiguren per Überpinselung so züchtig bekleiden und durch Radlerhosen bedecken ließ, dass dies gewiss den Beifall der Deutschen Bischofskonferenz finden wird. Es müsste doch möglich sein, auch jahrhundertealte Bilder ähnlich behutsam anzupassen. Wie leicht wären viele Krieger zu positiven Frauenbildern umzusticken, bis diese gleichberechtigt repräsentiert sind? Aus Schwertern würden Sportgeräte für die Work-Life-Balance. Und die Helme sind doch ganz einfach in bunte Tücher, die monotonen Kettenhemden in hübsche Kleider aus verschiedenen Kulturräumen unter Beachtung des globalen Südens zu verwandeln. Wie, die Normannen kannten den globalen Süden gar nicht? Was für ein gestriger Einwand. Die Leute wollen wirklich nicht verstehen, worauf es heute ankommt.

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