(SZ) Oft erscheinen Dinge von vorn anders als von hinten. Als zum Beispiel Irland im Jahr 2013 den G-8-Gipfel ausrichtete, ließ man die Schaufenster der Läden im Tagungsort mit Fototapete bekleben, damit der flüchtig durcheilende Politjetset keinerlei Wind davon bekam, wie dramatisch es um den Einzelhandel bestellt war. Stattdessen bot sich den internationalen Gästen straßenseitig ein Blick in vermeintlich gut besuchte Cafés und Schuhläden, obwohl es hinter der Fassade wohl noch düsterer aussah als je zuvor. Die Fototapete einer Metzgerei gaukelte Wurstwaren bis unter die Decke vor, während im Inneren längst jedes Licht erloschen und alles Leben erstorben war. Das Blendwerk reichte fast an jene Perfektion heran, mit der im 18. Jahrhundert der Feldmarschall Potemkin dem durchreisenden russischen Zarenhaus angeblich blühende Landschaften vorgespiegelt haben soll, mit allem, was schon damals dazugehörte: Galeria Kaufhof, Starbucks und ein werktäglich bis 24 Uhr geöffneter Rewe. Nur war nichts dahinter.
GlosseDas Streiflicht
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Es ist im Leben so und im Supermarkt nicht anders: Was man als Erstes an sich nimmt, landet als Letztes dort, wo man es haben möchte.