Glosse:Das Streiflicht

Lesezeit: 2 min

Umarmungen sind mal erwünscht, mal unerfreulich. Aber es gibt, sagt ein berühmter Soziologe, eine Art von Umarmung, bei der man keinen direkten menschlichen Kontakt benötigt.

(SZ) Man kann es als Segen oder als Fluch nehmen, dass heute beinahe alle Lebensäußerungen als soziologisch, medizinisch und psychologisch erforscht gelten. Jeder kann googeln, welche Botenstoffe durch seinen Körper rasen, wenn er Karl Lauterbach vor der digitalen Infostation eines eilends dafür neu gegründeten Forschungsinstituts reden hört und sieht. Warum man einmal in der Woche keinen Alkohol trinken sollte und weshalb Fett nicht gleich Fett, Zucker sehr wohl aber fast immer schädlich ist, lässt sich mit zwei, drei Klicks in Erfahrung bringen. Auch die Frage, warum Klicks nicht immer Geld einspielen, kann man sich mit Klicks beantworten lassen. Besonders interessant und viel geklickt sind und bleiben aber Antworten auf zwischenmenschliche Fragen, zum Beispiel die nach dem gesundheitlichen Mehrwert von Umarmungen. Dazu sind bereits viele belastbare Studien erschienen, die allesamt das Bindungshormon Oxytocin in den Blickpunkt rücken. Oxytocin ist das Cannabis der Unzertrennlichen. Es wird im Körper hergestellt, seine Verbreitung benötigt keine Abstimmung im Bundestag, es kann auch im Biergarten zur Entfaltung kommen, und man wird auch nicht so abhängig davon. Denn Umarmungen halten dem Vernehmen nach eine gute Weile vor, wenn sie lange genug dauern, im Idealfall 3,17 Sekunden.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Jetzt entdecken

Gutscheine: