Glosse:Das Streiflicht

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Es gibt Sätze, die möchte man sofort wieder einfangen, aber sie flattern wie Schmetterlinge davon. Kürzlich ist dem Verteidigungsminister ein solcher Satz entwischt.

(SZ) Am Ende könnte es ein einziger Satz sein, der von einem Politikerleben übrig bleibt. Von Gerhard Schröder wird zweifelsfrei der Imperativ "Hol mir mal 'ne Flasche Bier!" bleiben, auch weil er sich so leicht singen lässt. Unter dem Porträt Angela Merkels dürfte für alle Zeit ihr grandioses "Wir schaffen das" eingeprägt sein - auf den ersten Blick liegen Welten zwischen dem ersten und dem zweiten Zitat. Wenn man aber den hemdsärmeligen Realismus Schröders und den rautengeschmückten Pragmatismus von Angela Merkel zusammennimmt, kommt man womöglich zu einer politischen Gebrauchsanweisung, die so lauten könnte: Wir schaffen das, aber nur wenn jemand eine Flasche Bier holt. Das klingt viel unverkrampfter als Merkels knappe Selbstermutigung und zugleich zweckorientierter als Schröders hedonistischer Schnellauftrag. In jedem Fall zeichnet sich darin ein Gestaltungswille ab, der zwar kein unbedingter Gestaltungswille ist, aber doch einer, der mit einfachen Mitteln aufrechterhalten werden kann. Vor ein paar Tagen hat Boris Pistorius auch einen Satz gesagt, der das Zeug hat, ein historischer Pistorius-Satz zu werden. Zwar ist Pistorius nicht der Bundeskanzler, noch nicht jedenfalls. Immerhin ist er angeblich der Kanzler der Herzen, jedenfalls jener Sorte von Herzen, die im beherzten Zugriff eine Chance für morgen sehen.

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