(SZ) Der Adventskalender hat, obschon er an seiner eigenen Tradition festhält, eine rasante Entwicklung hinter sich. Wenn man bedenkt, dass es mit Kreidestrichen an den Türen begann, die mit jedem neuen Dezembertag einer nach dem anderen weggewischt wurden - dann ist die Adventskalenderbewegung von der Arte povera (Aktionsraum 1) zur durchstartenden Tür-auf-Tür-zu-Industrie eine Erfolgsgeschichte in 24 Teilen. Wie beim Fahrrad, das, erfinderisch vollkommen fehlgelenkt, zuerst ein Laufrad war, ging es mit dem Adventskalender dann richtig bergauf, als ein Innovationsgedanke hinzukam. Die Idee nämlich, dass es einerseits zwar sehr aufregend ist, Türen zu öffnen, andererseits aber womöglich noch elektrisierender, wenn sich etwas hinter den Türen befindet. Diese sinistre Steuerung der Vorfreude in eine Aufteilung von 24 Teilfreuden durch 24 Vorweihnachtsteilgeschenke war jedenfalls - typisch Menschheit - nicht mehr aufzuhalten. Zu verführerisch war die Kombination von Überraschung plus Süßigkeit plus bohrenden Kinderaugen, als dass religiöse oder pekuniäre Erwägungen ihr an den Karren hätten fahren können.
GlosseDas Streiflicht
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Es ist wieder einmal Zeit für den Adventskalender. Und mehr noch für grundlegende Gedanken zu diesem Kulturprodukt.