bedeckt München

Glosse:Das Streiflicht

(SZ) Tante Emma gehört neben Konrad Adenauer (Bundeskanzler), Fritz Walter (Fußballer), Otto Normalverbraucher (Normalverbraucher) und dem HB-Männchen (Choleriker) zu den großen mythischen Figuren der guten alten Bundesrepublik. Für die Jüngeren: Diese Bundesrepublik war ein Staat, in dem man seine Zigaretten noch seriös mit Mark und Pfennigen bezahlte und Sächsisch als Geheimsprache fieser Kommunisten galt sowie als putziges Idiom des Schauspielers Gert Fröbe, der im Film "Berliner Ballade" einen fulminanten Otto Normalverbraucher hinlegte. In diesem märchenhaften Land war Tante Emma die wichtigste Gestalt, denn in jedem Dorf betrieb sie einen winzig kleinen Laden, in dem es alles gab, was die Menschen zum guten, ja sogar zum zügellosen Leben brauchten. Vielleicht verklärt sich manches in der Rückschau, doch es kommt einem so vor, als hätte Tante Emma auf 15 Quadratmetern ein genauso großes Sortiment gehabt wie heute Amazon. Der Satz "Ham wir nich" war ihr unbekannt, sie führte alles von Schokoküssen (ja, sie hießen anders, das ist ein ganz dunkles Kapitel) über Bohnenkaffee, Marmor- und Hundekuchen, Elektrozäunen hin zu hochwertiger Literatur ("Jerry Cotton", "Fix und Foxi") und künstlerisch wertvollen Sonderdrucken, die unterm Ladentisch gehandelt wurden. Man ließ das anschreiben und zahlte später.

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