bedeckt München

Glosse:Das Streiflicht

(SZ) Schnee blitzte vor ein paar Tagen vom Himmel, getrieben von wendigen Winden, und wer dieses mystische Wintergewitter noch veredeln wollte, der legte Gustav Mahlers Vertonung der Kindertotenlieder von Friedrich Rückert auf. Zwei seiner sechs Kinder verlor Rückert im 19. Jahrhundert an den Scharlach, in mehr als 400 Gedichten verarbeitete er seinen Schmerz, jedoch nie in blinder Wut, vielmehr ständig suchend nach einem Sinn im schweren Schicksal. "In diesem Wetter, in diesem Braus / Nie hätt' ich gesendet die Kinder hinaus!", so geht einer der Texte, den Mahler musikalisch einkleidete, überhaupt ist die Musik dem Klagen noch immer ein lohnendes Ziel gewesen. Von Seufzermotiven, die sich nicht nur bei Mozart zu ganzen Ketten des Seufzens verbinden, bis zu Fran Healy, der viel später vor dem elenden schottischen Regen nach Israel flüchtete. Die Wetterprognose hatte Healy gelockt, aber nicht Wort gehalten, weswegen Healy seinerseits folgende Wörter zu einem Welthit der Wehklage arrangierte: Why does it always rain on me?

SZ-Plus-Abonnenten lesen auch:
ALS-Erkrankung
Karawane der Freundschaft
Baron Peter Piot
Epidemiologie
Der Virenjäger
Frühlingswochenende - Ausflügler am Starnberger See
Coronavirus-Pandemie
"Wenn es windstill ist, stecken sich Menschen auch draußen an"
Virus-stricken Dutch cruise ship expected to reach Florida's coasts after stand-off over permission to dock
USA
Wie das Coronavirus Amerika infizierte
Laura Malina Seiler
Alles so wundervoll
Zur SZ-Startseite