bedeckt München

Glosse:Das Streiflicht

(SZ) Menschen, die großen Blödsinn erzählen und es im Anschluss daran unbegreiflich finden, dass man sie als Erzähler großen Blödsinns bezeichnet, behaupten oft, sie bekämen einen Maulkorb verpasst. Am Wochenende konnte man sie wieder sehen und hören, die grauen Zornmäuse, die das Coronavirus wahlweise für eine Erfindung von Christian Drosten oder für eine besonders perfide Volkserziehungsmaßnahme der Regierung halten. Weil es im Augenblick angezeigt ist, in geschlossenen Räumen Masken zu tragen, erfährt die Maske in den Köpfen der Covidioten eine allegorische Umformung zum Maulkorb. Covidioten ist ein Neologismus unserer Tage. Er bezeichnet Menschen, die sich irrtümlich geistig für beweglicher halten als das Virus. Der Maulkorb wiederum, das sagt schon sein Name, ist ein "korbartiges gerät für beiszige thiere", exakt so steht es im Grimmschen Wörterbuch. Wer sich also auf den Münchner Marienplatz, den Cannstatter Wasen oder den Berliner Alexanderplatz stellt und wehklagt, seine Atemmaske sei ihm vor dem wahrheitsliebenden Mund zum Maulkorb geraten, der hat sich rhetorisch vom anthropozentrischen Verständigungsmodell beurlaubt.

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