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Glosse:Das Streiflicht

(SZ) Ach, viel zu wenig besungen ist der müde Mensch. Einst eine Großfigur im Reich der Dichtung, streift er als Schattenwesen an Schaufenstern vorbei, in denen glänzend gelaunte Espressomaschinen und andere Muntermacher thronen. Kein Andreas Gryphius flüstert ihm Trostworte zu, wenn im Reich der panischen Fitness und unerbittlichen Selbstoptimierung sein suchendes Auge Ausschau hält nach einer Parkbank, auf der er sich niederlassen kann: "Lass / wenn der müde Leib entschläft / die Seele wachen ...". Fremd ist ihm die Sprache des Barock geworden, längst ist in seine Seele die Technik eingewandert, die ihn umgibt, und wenn seine Zunge davon künden will, wie ausgebrannt und leer der müde Mensch sich fühlt, dann formt sie leise den Stoßseufzer: "Mein Akku ist leer."

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