bedeckt München 26°

Gleichgeschlechtliche Partnerschaften:Patchwork ist Alltag

Die Bilder haben sich festgesetzt und sie sind in vielen Köpfen zum Klischee geronnen: Dass schwule Männer über ein sagenhaftes Liebesleben, aber kaum Verantwortungsgefühl oder Tauglichkeit zur Vaterschaft verfügen. Was, wenn diese ewig kopulierenden Kerle von Kindern gesehen werden, unter der heimischen Dusche? - Blödsinn? Abwegig? Keineswegs.

Mit dem sexuell aufgeladenen Bild vom Schwulsein geht ein zweites Zerrbild einher. Es ist die Unterstellung, schwule Männer seien pädophil, irgendwie pädophiler jedenfalls als heterosexuelle Männer. Womöglich wollten sie Kinder nur zur Befriedigung sexueller Wünsche. Laut gesagt wird das nicht, auf Nachfrage bestätigt aber erstaunlich oft.

Wer solche Ängste hat, muss sich fragen lassen, wieso in Deutschland seit Jahren Pflegekinder an Schwule und Lesben vergeben werden? Oft sind es Kinder, die besonders schwer beschädigt sind, stark vernachlässigt und behindert, derer sich also sonst keiner erbarmt. Die Erfahrungen der Behörden sind gut, Homo-Eltern haben sich als zugewandt und belastbar erwiesen, auch als überdurchschnittlich bildungsorientiert. Vermehrte sexuelle Übergriffe? Ein Hirngespinst.

Womit Punkt drei der Bedenkenliste erreicht wäre, die Frage nämlich, ob eine Familie mit Mutter und Vater nicht immer besser ist als etwa eine mit zwei Müttern. Lesbische Mütter stehen zwar anders als schwule Väter nicht unter Missbrauchsverdacht, weil ihnen eher gar keine Sexualität angedichtet wird. Dafür wirft man ihnen vor, Kindern den Vater vorzuenthalten, ein negatives Männerbild zu vermitteln. Der nächste Unfug.

Wer solche Familien von innen besichtigt, wird sich wundern über die Gleichgültigkeit, mit der Kinder Homosexueller und deren Schulfreunde auf Eltern gleichen Geschlechts reagieren oder auf überkommene Genderstereotype. Meistens interessiert das Thema so brennend wie der Nikkei-Index, in jeder Schulklasse sitzen Kinder aus Patchworkfamilien.

Welcher Elternteil strenger ist und welcher liebevoller, wer besser Fußball spielt und wer vorliest, wer das Geld heimbringt und wer sich als Hallodri erweist: All das hängt nicht vom natürlichen Geschlecht ab, sondern von Persönlichkeit, der Bereitschaft, sich für Kinder zu verschenken, auch von der Eignung zur Elternschaft. Die besitzt der Mensch oder er besitzt sie nicht, manchmal muss er sie auch unterwegs erwerben. Die "richtige Familie" gibt es nicht. Aber ziemlich viele gute Eltern.