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Gleichgeschlechtliche Partnerschaften:Was Konservative vom Schwulsein halten

Zwei Männer küssen sich auf einer Schwulen-Demo in Rio de Janeiro

Zwei Schwule hinter einer Regenbogenfahne - beißen nicht und fressen auch keine kleinen Kinder

(Foto: REUTERS)

Die CDU gibt ihre Widerstände gegen die Homo-Ehe auf. Man kann zu dieser Selbstüberwindung nur gratulieren. Willkommen im echten Leben. Doch in vielen Köpfen sind klischeebeladene Zerrbilder von Homosexuellen noch fest verankert. Was für ein Unfug.

Und es gibt sie doch, die wundersame Wandlung, oder auch: die Ankunft in der Wirklichkeit. Nach Jahrzehnten verbiesterter Kämpfe gegen die Gleichberechtigung von Lesben und Schwulen lässt die CDU alle Hoffnung fahren, dass in Sachen Homo-Ehe noch irgendetwas zu verhindern ist. Nach Verpartnerung und Stiefkindadoption kommt jetzt die Steuergerechtigkeit und - bislang für viele das größte Tabu - die gemeinsame Adoption von Kindern durch Homosexuelle.

Die CDU gibt ihre Widerstände auf, die CSU wird wohl notgedrungen bald folgen müssen, und man kann den Konservativen zu dieser Selbstüberwindung nur gratulieren. Willkommen im echten Leben. Es beißt nicht und frisst auch keine kleinen Kinder.

Nun irrt aber, wer glaubt, dass es im Land nur ein paar verirrte Hinterbänkler gibt, die etwas gegen gleichgeschlechtliche Elternschaft haben. Der politische Konsens mag breit sein in diesen Tagen, Gesetze mögen geändert werden, keine Partei will sich ewig von Gerichten rügen lassen, dass sie eine Bevölkerungsgruppe systematisch um ihre Rechte bringt.

Selbstverständlich aber ist die Homo-Adoption noch lange nicht in Deutschland. Vor die Wahl gestellt, ein Kind eher heterosexuellen oder homosexuellen Adoptiveltern zu überantworten, dürften sich etliche Staatsdiener mit diffusem Unbehagen plagen. Und geneigt sein, sich - in aller Stille - für Mama und Papa zu entscheiden statt für Papa und Papa. Weil es da ein paar fiese Ängste gibt, die sorgsam beschwiegen werden - und ausgeräumt gehören. Denn sie spuken nicht nur in stockkonservativen Köpfen herum.

Klischeebeladene Bedenkenlisten

Vorbehalt Nummer eins trifft schwule Männer. Sie gelten, stark vereinfacht ausgedrückt, als hoffnungslos hedonistisch und über die Maßen mit Sex beschäftigt. Das verdanken sie auch ihrer Selbstdarstellung. Nach Verfolgung im Dritten Reich und Jahrzehnten, in denen Männer mit hochgeschlagenem Kragen in Schwulenbars schlichen, weil Haft drohte, sind sie ausgebrochen. Out and proud zu sein, offen und stolz auf die eigene Sexualität, beim Christopher Street Day Gesicht und, ja, blanken Hintern zu zeigen, wurde ein politisches Statement, ein notwendiges, um herauszukommen aus den Scham- und Schmuddelecken der Gesellschaft.