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Gleichgeschlechtliche Ehe in den USA:Homosexuelle feiern historisches Urteil

Regenbogenfahnen, Hupkonzerte, Freudenschreie: Schwule und Lesben in allen Teilen der USA feiern, dass für gleichgeschlechtliche Ehen nun dieselben Rechte wie bei der Heirat zwischen Mann und Frau gelten. Auch für die Homo-Ehe in Kalifornien gibt der Bundesgerichtshof grünes Licht.

Schwule und Lesben in allen Teilen der USA haben das historische Urteil des Obersten Gerichts zur Stärkung der Homosexuellen-Rechte gefeiert. Vor allem in Kalifornien mit der Metropole San Francisco als Hochburg Schwuler und Lesben herrschte bis in den Abend hinein eine ausgelassene Stimmung auf den Straßen. Im Rathaus von San Francisco waren zahlreiche gleichgeschlechtliche Paare schon in Brautkleidern und schwarzen Anzügen erschienen, um das Urteil zu feiern.

Seit dem frühen Morgen hatten sich Hunderte meist junge Unterstützer vor dem Gericht versammelt und in der prallen Sonne auf das Urteil gewartet. US- und Regenbogenfahnen wurden stolz geschwungen und viele kamen mit selbstgemalten Transparenten. "Wenn ich meinen Freund nicht heiraten kann, heirate ich deine Tochter" stand auf einem. Voller Optimismus wurde gebetet, gesungen und gerufen: "Homo, hetero, schwarz, weiß - Ehe ist ein Bürgerrecht".

Kurz war es still vor dem Gebäude des Supreme Court in Washington. Dann brach Jubel aus über die Entscheidung des obersten US-Gerichts zur Homo-Ehe. "Es ist etwas ganz Besonderes, wenn dein Heimatland, das du liebst, dich auch akzeptiert", sagte Michael Knaapen unter Tränen. 2006 hatte der heute 26-Jährige aus dem US-Bundesstaat Vermont seinen Mann geheiratet - in Kanada, weil es damals in den USA noch verboten war. Mit dem Urteil bekommt das Paar nun auf Bundesebene die gleichen staatlichen Vergünstigungen wie heterosexuelle Ehepaare.

Denn der Supreme Court hatte in seinem bahnbrechenden Urteil entschieden, dass der Bund gleichgeschlechtlichen Ehepartnern dieselben Rechte einräumen müsse wie traditionellen Ehen. Das heißt zum Beispiel, dass verheiratete Schwule oder Lesben eine gemeinsame Steuererklärung einreichen können. Zugleich gab das Gericht grünes Licht für Homo-Ehen in Kalifornien. Es akzeptierte die entsprechende Entscheidung einer niedrigeren Instanz in dem Bundesstaat. Diese hatte einen Volksentscheid in Kalifornien, mit dem Homo-Ehen vor gut vier Jahren verboten worden waren, bereits für unrechtmäßig erklärt.

Derzeit dürfen Homosexuelle in zwölf der 50 US-Staaten sowie in der Hauptstadt Washington heiraten. 30 Staaten haben das dagegen ausdrücklich verboten.

Obama würdigt Urteil als Erfolg

Der kalifornische Gouverneur Jerry Brown wies die Behörden am Mittwoch an, Heiratslizenzen zu erteilen, sobald das Urteil in Kraft trete. Der Ansturm auf die Standesämter in dem Westküstenstaat wird in knapp vier Wochen erwartet. Nach Schätzungen könnten sich in den kommenden drei Jahren 37.000 gleichgeschlechtliche Paare das Jawort geben.

US-Präsident Barack Obama würdigte die Entscheidung für die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben als Erfolg. "Der Supreme Court hat das Falsche ins Richtige verwandelt. Und unser Land ist dadurch besser dran", sagte er auf einem Flug nach Afrika. "Wenn alle Amerikaner gleich behandelt werden, egal wer sie sind und wen sie lieben, dann sind wir alle freier."

Auch Verteidigungsminister Chuck Hagel begrüßte das Urteil. Das Pentagon werde unverzüglich dafür sorgen, dass gleichgeschlechtliche Ehepartner von Militärangehörigen dieselben Vorteile hätten wie Partner in traditionellen Ehen.

Enttäuscht äußerte sich hingegen der Sprecher des Repräsentantenhauses, der Republikaner John Boehner. "Es wird weiter in der Öffentlichkeit eine kräftige Debatte über das Thema Ehe geben", sagte Boehner der Washington Post zufolge. "Und ich hoffe, dass Bundesstaaten die Ehen weiterhin als eine Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau definieren werden". Der republikanische Abgeordnete Tim Huelskamp beklagte, dass sich eine "radikale Mehrheit" im Supreme Court von persönlichen Ansichten habe leiten lassen und kündigte bereits eine Gesetzesinitiative zum Schutz traditioneller Ehen an.

© Süddeutsche.de/dpa/ratz/jasch
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