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Gingrich siegt in Georgia beim Super Tuesday:Gingrichs populistischer Plan

Doch Newt Gingrich und sein Publikum sind nicht bereit, sich die gute Laune verderben zu lassen. "Morgen beginnt ein neues Kapitel im Wahlkampf, wenn wir nach Alabama fliegen", verspricht er. Von dort gehe es weiter nach Mississippi und Kansas, wo er weitere Erfolge feiern will. Zu Jahresbeginn wurden Gingrich in diesen Südstaaten gute Chancen vorhergesagt, doch gegen den weiterhin starken Rick Santorum wird er sich schwer tun - und im Gegensatz zu Georgia, wo ihn die gesamte Parteielite unterstützt hat, verfügt er dort über kein Netzwerk.

Newt Gingrich

Heimspiel: In Georgia hat Newt Gingrich das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner gewonnen. Stets dabei: Ehefrau Callista.

(Foto: AP)

Zögerlichen Konservativen liefert er an diesem Abend auch keine überzeugenden Argumente. Nachdem er eine Viertelstunde zurückgeblickt und sich an seinem Comeback erfreut hat, feuert er ein paar altbekannte Slogans gegen seine Konkurrenten ab. Romneys bisherige Erfolgsstrategie, fünf Mal mehr Geld als sein Gegner einzusetzen, um diesen zu zermürben, werde bei US-Präsident Barack Obama nicht funktionieren: "Wer keine Vision hat, kann den amtierenden Präsidenten so nicht besiegen."

Die eigene Vision für Amerika bleibt Gingrich allerdings schuldig. Stattdessen erklärt er, wie schon so oft, er sei der einzige Kandidat, der Obama in Rededuellen besiegen könne. Gern trete er wie im 19. Jahrhundert sieben Mal zu dreistündigen Debatten an. Gingrich gibt sich generös: "Barack Obama darf auch einen Teleprompter benutzen, wenn er will."

Die letzten Minuten widmet er seinem gnadenlos populistischen Plan, dafür sorgen zu wollen, dass die Gallone Benzin nicht mehr als 2,50 Dollar (0,50 Euro pro Liter) kosten werde. Dies sei leicht zu erreichen, wenn mehr Bohrungen genehmigt würden - und dann müsse kein US-Präsident mehr einen Bückling vor dem saudischen König machen. Bevor er zum Händeschütteln und Signieren schreitet, bittet er die Zuhörer um Spenden und fordert sie auf, seine Botschaft in den sozialen Netzwerken zu verbreiten: "Schreibt bei Facebook die Nachricht 'Newt steht für 2,50 Dollar pro Gallone Benzin' und nutzt bei Twitter das Kürzel #250gas."

Den 32-jährigen Matthew Smollar im Publikum hat die Argumentation nicht wirklich überzeugt. "Ich glaube nicht, dass der US-Präsident entscheiden kann, wie hoch der Ölpreis ist", sagt der 32-Jährige, an dessen Jackett ein "I'm in Newt's Army"-Anstecker prangt. Das Thema sei jedoch wichtig, weil es viele Menschen beschäftige. Smollar vermutet, die Kampagne sei dem Einfluss des früheren Pizza-Königs und jetzigen Gingrich-Unterstützers Herman Cain zu verdanken: Wahrscheinlich hätten seine Berater gesehen, wie viel Aufmerksamkeit Cain mit seinem Plan für eine große Steuerreform, dem sogenannten 9-9-9-Plan, bekommen habe. "Nun wollen sie einen ähnlichen Erfolg erzielen", nimmt Smollar an.

Auf die Frage, weshalb er dennoch für Newt Gingrich gestimmt habe, gibt Smollar eine Antwort, die an diesem Abend in vielen Variationen zu hören ist: "Er kommt aus Georgia, ich komme aus Georgia. Und er war mein Dozent in Politikwissenschaft, als ich aufs College ging."