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Gingrich siegt in Georgia beim Super Tuesday:Newt ist noch am Leben

Georgia feiert die Newt-a-Mania: Die Wähler bescheren Gingrich in seinem Heimatstaat einen klaren Sieg und sorgen dafür, dass ihr Favorit im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur bleibt. Der Konservative attackiert Medien und Konkurrenten und verspricht unbeirrt, den Benzinpreis senken zu wollen. Das Publikum jubelt - und ignoriert die schlechten Resultate in den anderen Staaten.

Eloise Cunningham hat einen Wunsch: Sie möchte sehen, wie Newt Gingrich ins Weiße Haus einzieht. Die Lehrerin im Ruhestand träumt davon, dass einige jener Bilder und Stickereien, die sie in den neunziger Jahren mit ihren Schülern für den damaligen Sprecher des Repräsentantenhauses angefertigt hat, im Oval Office aufgehängt werden. "Newt Gingrich hat sich sehr gefreut, als wir ihm damals die Kunstwerke überreicht haben", erinnert sich die rüstige Dame aus Marietta, die in einer Stars-and-Stripes-Glitzerweste zur Wahlparty gekommen ist.

People wait for U.S. Republican presidential candidate Newt Gingrich to come out and address supporters as polls close in the presidential primary in Atlanta

"Er ist so inspirierend": Wahlkampf-Unterstützerin Eloise Cunningham (r.) und ihre Mitstreiterinnen warten auf den Auftritt ihres Favoriten Newt Gingrich.

(Foto: REUTERS)

Vor kurzem hätten sie sich bei einer Wahlveranstaltung wieder getroffen und Gingrich habe ihr versprochen, im Januar 2013 sein neues Büro entsprechend zu dekorieren. "Dass er sich sogar an meinen Namen erinnert hat, hat mich sehr beeindruckt", schwärmt Eloise Cunningham. Als Abgeordneter sei Gingrich damals zu ihren Achtklässlern gekommen, berichtet sie: "Alle waren begeistert, er ist so inspirierend." Für sie stand von Beginn an fest, wen sie wählen würde: "Gingrich ist der intelligenteste und erfahrenste aller Bewerber. Bei ihm weiß ich, was ich kriege."

In Georgia ist die Welt für Newt Gingrich noch in Ordnung. Im Peach State begann 1979 seine politische Karriere, hier hat fast jeder eine persönliche Erinnerung an ihn, hier haben sie ihm mit 47 Prozent der Stimmen und 21 Punkten Vorsprung vor Mitt Romney den dringend benötigten zweiten Sieg beschert.

Vor der Abstimmung hatte der 68-Jährige mit der für ihn typischen Direktheit erklärt: "Ich muss in Georgia gewinnen. Wenn ich in meiner Heimat nicht siegen kann, dann schaffe ich es nirgendwo." Entsprechend erleichtert steht Gingrich vor den etwa 400 Zuschauern im noblen Waverly Hotel in Atlanta. Wenige Sekunden vorher hatte ihn Ehefrau Callista mit ihrer stets untadeligen Helmfrisur als "nächsten Präsidenten der USA" vorgestellt und nun widmet sich der studierte Historiker wieder seinem liebsten Hobby: Er blickt zurück und schimpft auf die Medien.

Gegen das Geld der Wall Street

Er hoffe sehr, dass all die Experten der Mainstream-Medien in Washington und New York nun zuhören, die ihn und seine Kampagne im Juni 2011 für tot erklärt hatten. "Ihr, meine Freunde, habt damals gespendet und gezeigt, dass ihr nicht wollt, dass ein paar Liberale über die Kandidatur entscheiden", dröhnt Gingrich. Auch das Establishment der Republikaner habe so große Angst vor ihm gehabt, dass dessen Vertreter ihn unbedingt aus dem Rennen werfen wollten.

In diesen Momenten zeigt sich die rhetorische und populistische Begabung des Newt Gingrich. "Ihr habt gezeigt, dass man das Geld der Wall Street mit dem Fleiß und der main street besiegen kann", ruft er seinen jubelnden Zuhörern zu. Er erinnert daran, dass er auch die teure Negativkampagne des Romney-Lagers in Iowa überstanden und in South Carolina ein Comeback erzielt habe. Dass dies ohne die Millionen-Spende des Kasino-Milliardärs Sheldon Adelson unmöglich gewesen wäre, verschweigt der weißhaarige Gingrich.

Für Rick Santorum, seinen erzkonservativen Rivalen, hat Gingrich nur Spott übrig. "Was hat er schon geschafft? Er ist durch drei Staaten getourt, die kein anderer Kandidat besucht hat. Kein Wunder, dass er da gewonnen hat", berichtet er in Anspielung auf Santorums Erfolg in Minnesota, Missouri und Colorado. Danach hätten die liberalen Medien den Ex-Senator aus Pennsylvania hochgeschrieben, klagt Gingrich - nur um seinen Erfolg zu verhindern.

Dies bereite ihm keine Sorge: Bald werde Santorum das Schicksal der politischen Eintagsfliege ereilen wie zuvor schon Michele Bachmann, Rick Perry oder Herman Cain, verspricht der Ex-Sprecher des Repräsentantenhauses. Wie verzweifelt und unrealistisch diese Prognose ist, kann jeder Anwesende im Saal auf der Leinwand neben der Bühne sehen: Dort ruft Fox News Santorum zum Sieger in Tennessee und Oklahoma aus - später folgt ein weiterer Erfolg in North Dakota.

Gingrichs populistischer Plan

Doch Newt Gingrich und sein Publikum sind nicht bereit, sich die gute Laune verderben zu lassen. "Morgen beginnt ein neues Kapitel im Wahlkampf, wenn wir nach Alabama fliegen", verspricht er. Von dort gehe es weiter nach Mississippi und Kansas, wo er weitere Erfolge feiern will. Zu Jahresbeginn wurden Gingrich in diesen Südstaaten gute Chancen vorhergesagt, doch gegen den weiterhin starken Rick Santorum wird er sich schwer tun - und im Gegensatz zu Georgia, wo ihn die gesamte Parteielite unterstützt hat, verfügt er dort über kein Netzwerk.

Newt Gingrich

Heimspiel: In Georgia hat Newt Gingrich das Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Republikaner gewonnen. Stets dabei: Ehefrau Callista.

(Foto: AP)

Zögerlichen Konservativen liefert er an diesem Abend auch keine überzeugenden Argumente. Nachdem er eine Viertelstunde zurückgeblickt und sich an seinem Comeback erfreut hat, feuert er ein paar altbekannte Slogans gegen seine Konkurrenten ab. Romneys bisherige Erfolgsstrategie, fünf Mal mehr Geld als sein Gegner einzusetzen, um diesen zu zermürben, werde bei US-Präsident Barack Obama nicht funktionieren: "Wer keine Vision hat, kann den amtierenden Präsidenten so nicht besiegen."

Die eigene Vision für Amerika bleibt Gingrich allerdings schuldig. Stattdessen erklärt er, wie schon so oft, er sei der einzige Kandidat, der Obama in Rededuellen besiegen könne. Gern trete er wie im 19. Jahrhundert sieben Mal zu dreistündigen Debatten an. Gingrich gibt sich generös: "Barack Obama darf auch einen Teleprompter benutzen, wenn er will."

Die letzten Minuten widmet er seinem gnadenlos populistischen Plan, dafür sorgen zu wollen, dass die Gallone Benzin nicht mehr als 2,50 Dollar (0,50 Euro pro Liter) kosten werde. Dies sei leicht zu erreichen, wenn mehr Bohrungen genehmigt würden - und dann müsse kein US-Präsident mehr einen Bückling vor dem saudischen König machen. Bevor er zum Händeschütteln und Signieren schreitet, bittet er die Zuhörer um Spenden und fordert sie auf, seine Botschaft in den sozialen Netzwerken zu verbreiten: "Schreibt bei Facebook die Nachricht 'Newt steht für 2,50 Dollar pro Gallone Benzin' und nutzt bei Twitter das Kürzel #250gas."

Den 32-jährigen Matthew Smollar im Publikum hat die Argumentation nicht wirklich überzeugt. "Ich glaube nicht, dass der US-Präsident entscheiden kann, wie hoch der Ölpreis ist", sagt der 32-Jährige, an dessen Jackett ein "I'm in Newt's Army"-Anstecker prangt. Das Thema sei jedoch wichtig, weil es viele Menschen beschäftige. Smollar vermutet, die Kampagne sei dem Einfluss des früheren Pizza-Königs und jetzigen Gingrich-Unterstützers Herman Cain zu verdanken: Wahrscheinlich hätten seine Berater gesehen, wie viel Aufmerksamkeit Cain mit seinem Plan für eine große Steuerreform, dem sogenannten 9-9-9-Plan, bekommen habe. "Nun wollen sie einen ähnlichen Erfolg erzielen", nimmt Smollar an.

Auf die Frage, weshalb er dennoch für Newt Gingrich gestimmt habe, gibt Smollar eine Antwort, die an diesem Abend in vielen Variationen zu hören ist: "Er kommt aus Georgia, ich komme aus Georgia. Und er war mein Dozent in Politikwissenschaft, als ich aufs College ging."