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Gilgel Gibe III: Mega-Staudamm in Äthiopien:Wo ein Damm ist, da ist auch ein Konflikt

Der Damm würde das Ende der selbstbestimmten Lebensweise der indigenen Stämme bedeuten, ist sich Duffield sicher. "Bisher überschwemmt der Omo zwei Monate lang die Felder mit fruchtbarem Schlamm. In Zukunft soll es nur noch eine zehntägige Flut geben, um die Felder zu bewässern." Ohne die kostbaren Nährstoffe sei der Anbau von Mais und Hirse auf den salzigen Böden unmöglich.

"Echte Entwicklungshilfe sieht anders aus", sagt die Menschenrechtsaktivistin. "Äthiopien entscheidet einfach über die Köpfe seiner indigenen Stämme hinweg." Die Folgen dieser Politik, fürchtet Duffield, könnten katastrophal für die Betroffenen sein - "schlechtere Lebensbedingungen, Krankheiten und Gewalt".

Belege für das Scheitern ähnlicher Mega-Damm-Projekte gibt es reichlich, denn obwohl Wissenschaftler die ökologischen Gefahren meist viel höher einschätzen als den ökonomischen Nutzen, boomt der Bau von Groß-Staudämmen mit mehr als 15 Metern Höhe. Circa 50.000 gibt es heute auf der Welt, 1700 weitere sind geplant - vor allem in Afrika, Asien und Südamerika. Fast überall gibt es Konflikte.

Der Ärger über Gibe III hat sich auch bei den Menschen am Unterlauf des Omo in Kenia angestaut. Bisher speist der Fluss dort den berühmten Turkana, den weltweit größten See in einer Wüste, ein Weltnaturerbe der Unesco. Doch schon heute spüren die Menschen am See die Folgen der ersten beiden Staustufen. Dörfer, die einst direkt am Ufer standen, liegen heute kilometerweit davon entfernt, umgeben von Wüste, weil mit dem schwächerem Wasserzufluss der Pegel des Sees gesunken ist.

Mit Gibe III werde der Pegel um weitere zehn bis zwölf Meter sinken. "Dabei ist der See an seiner tiefsten Stelle kaum mehr als 30 Meter tief", sagt Lindsay Duffield. Schon heute belegen Studien den zunehmenden Salzgehalt im Wasser. International Rivers warnt: "Ohne ausreichend Frischwasser wird es im Turkana zu einem riesigen Fischsterben kommen - die Fischer werden ihre Familien nicht mehr ernähren können, lokale Märkte werden zusammenbrechen."

Hoffnung macht den Aktivisten, dass sich einige gewichtige Investoren inzwischen zurückgezogen haben von Gilgel Gibe III. Zuletzt hatten die Europäische Investitionsbank und die Afrikanische Entwicklungsbank ein Engagement abgelehnt. Zwar sind zwei Banken aus China eingestiegen - ihr Investment aber deckt die geschätzten Projektkosten von 1,5 Milliarden Euro nur zu einem Viertel. "Wir werden den Druck weiter hochhalten", gibt sich Lindsay Duffield kämpferisch. Statt auf Wasserkraft zu setzen, schlägt sie der äthiopischen Regierung vor, Windparks und Solaranlagen zu bauen: "Damit hätte wohl niemand auch nur das geringste Problem."