Leipzig:Hotelmitarbeiter nach Antisemitismus-Vorwurf beurlaubt

Der Musiker Gil Ofarim berichtet in einem Video von antisemitischen Vorkommnissen wegen seiner Davidstern-Kette. Der beurlaubte Mitarbeiter erstattet Anzeige wegen Verleumdung.

Nach Antisemitismus-Vorwürfen des Musikers Gil Ofarim sind zwei Mitarbeiter eines Leipziger Hotels beurlaubt worden. Dies gelte zunächst für die Dauer der Ermittlungen, sagte eine Sprecherin der Marriott-Gruppe.

Einer der beurlaubten Mitarbeiter hat nun Anzeige wegen Verleumdung gestellt. Der Mann schildere den Vorfall mit Ofarim "deutlich abweichend von den Auslassungen des Musikers", sagte ein Sprecher der Leipziger Polizei. Der Hotelangestellte habe zudem noch eine zweite Anzeige wegen Bedrohung gestellt, weil sich Menschen in den sozialen Netzwerken völlig entfesselt gegenüber dem Hotelpersonal geäußert hätten. Außerdem sei bei der Polizei eine Online-Anzeige eines unbeteiligten Dritten wegen Volksverhetzung eingegangen.

Ofarim hatte in einem am Dienstag veröffentlichten Instagram-Video berichtet, wegen seiner Davidstern-Kette beim Einchecken in das Westin Hotel von Mitarbeitern nicht berücksichtigt worden zu sein. Er erzählte, wie er sich in eine Schlange eingereiht habe. Immer wieder seien Personen vorgezogen worden. Als er nach 15 Minuten an der Reihe gewesen sei, habe er gefragt, was das solle. Der Mitarbeiter habe geantwortet: "Um die Schlange zu entzerren", dabei habe Ofarim ja selbst darin gestanden. Daraufhin habe "irgendeiner aus der Ecke" gerufen, dass er seinen Stern einpacken solle. Auch der Hotelmitarbeiter habe gesagt: "Packen Sie Ihren Stern ein."

Die Staatsanwaltschaft Leipzig und die Kriminalpolizei hätten sämtliche Ermittlungen aufgenommen, sagte der Polizeisprecher. "Nun gilt es abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben und was tatsächlich an dem Tag geschehen ist." Gil Ofarim habe bislang keine Anzeige erstattet.

Der Davidstern ist eines der bekanntesten Symbole, die mit dem Judentum verbunden werden. Er besteht aus einem Hexagramm, das durch zwei ineinander verwobene gleichschenklige Dreiecke gebildet wird. Obwohl das Hexagramm als jüdisches Zeichen bereits im siebten Jahrhundert vor Christus vorkommt, schmückt der Davidstern erst seit dem Mittelalter Synagogen und seit 1948 die Flagge des Staates Israel. Während des Nationalsozialismus wurde der Davidstern den Juden als Stigma ("Judenstern") aufgezwungen.

Solidaritätskundgebung in Leipzig

Der Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, schrieb in einem Statement beim Kurznachrichtendienst Twitter, dass die Anfeindung erschreckend sei. Es sei zu hoffen, dass das Hotel personelle Konsequenzen ziehe. Er hoffe ebenso, "dass wir künftig auf Solidarität treffen, wenn wir angegriffen werden." Der Pianist Igor Levit schrieb an das Hotel gerichtet: "Shame on you".

Am Dienstagabend nahmen Hunderte Menschen an einer Solidaritätskundgebung mit Jüdinnen und Juden in Deutschland vor dem Hotel teil, zu der das Bündnis "Leipzig nimmt Platz" aufgerufen hatte. Die Veranstaltung mit etwa 400 Menschen sei friedlich und ohne Störungen verlaufen, sagte eine Polizeisprecherin auf Anfrage.

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Gil Ofarim

Antisemitismus-Vorwurf
:"Pack deinen Stern ein"

Der Musiker Gil Ofarim ist nach eigenen Angaben Opfer eines antisemitischen Vorfalls in einem Leipziger Hotel geworden. Der Zentralrat der Juden fordert Konsequenzen.

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