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Giftanschlag auf Ex-Spion:Neue Spur im Fall Skripal

British Army Deployed To The Scene Of Spy's Poisoning

Die Behörden haben in dem Restaurant Zizzi Spuren von Nervengift gefunden.

(Foto: Getty Images)
  • Im Fall des vergifteten russischen Ex-Doppelagenten Sergej Skripal und seiner Tochter Julia haben die Ermittler eine neue Spur: In zwei von ihnen besuchten Lokalen wurde Nervengift entdeckt.
  • Die Gesundheitsbehörde ruft deswegen alle Gäste des Pubs und des Restaurants auf, ihre Kleidung und persönliche Gegenstände zu waschen.

Nach dem Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal haben Ermittler Spuren von Nervengift in dem Restaurant und dem Pub gefunden, in dem er und seine Tochter Julia aufgehalten haben sollen. Die beiden waren am vergangenen Sonntag in der Kleinstadt Salisbury westlich von London zusammengebrochen und mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Der Zustand der beiden Anschlagsopfer ist weiterhin kritisch, aber stabil. Ein Polizeibeamter, der den beiden zu Hilfe geeilt war, wurde ebenfalls eingeliefert, befindet sich mittlerweile aber auf dem Weg der Besserung. Die Ermittler hatten bereits wenige Tage nach dem Angriff das Nervengas, das bei dem Angriff auf die beiden verwendet worden war, identifiziert. Innenministerin Amber Rudd bestätigte, dass es sich um einen sehr seltenen Stoff handelt. Welches Gift genau zum Einsatz kam, wollte die Innenministerin aber nicht preisgeben. Nach Angaben von Rudd sind in dem Fall mehr als 250 Polizisten im Einsatz. Es gebe mehr als 200 Zeugen und mehr als 240 Beweisstücke.

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Behörden fordern Gäste zum Waschen ihrer Kleidung auf

Alle Gäste, die die beiden Lokale in dem fraglichen Zeitraum zwischen Sonntagmittag und Montagmittag besucht hatten, sollen nun ihre Kleidung waschen sowie persönliche Gegenstände säubern. Der britischen Gesundheitsbehörde zufolge handelt es sich dabei aber nur um eine Vorsichtsmaßnahme. So teilte die Gesundheitsbeauftragte Sally Davies mit, das Risiko für die Allgemeinheit sei niedrig. Es könne aber gesundheitsschädlich sein, kontaminierten Gegenständen über einen längeren Zeitraum ausgesetzt zu sein. Mutmaßlich bis zu 500 Menschen könnten die beiden Lokale in dieser Zeit aufgesucht haben.

Ein forensisches Team war zudem auf dem Friedhof von Salisbury, auf dem die Frau und der Sohn von Skripal beerdigt sind. Alexander Skripal starb im Juli vergangenen Jahres im Alter von 43, britischen Medienberichten zufolge während eines Aufenthalts in St. Petersburg. Skripals Frau Ludmila starb 2012 an Krebs. Sie wurde 60 Jahre alt.

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Im Visier des russischen Geheimdienstes

Die britische Regierung verurteilte den mutmaßlichen Angriff auf das Schärfste.Sollte ein anderer Staat in den Anschlag involviert sein, werde Großbritannien entsprechend reagieren, sagte Finanzminister Philip Hammond am Sonntag in der BBC. Sehr viel deutet darauf hin, dass Skripal im Visier des russischen Geheimdienstes FSB stand. Moskau bestreitet jede Beteiligung an dem Mordversuch.

Skripal, ein ehemaliger Offizier des Militärgeheimdienstes, war 2006 wegen Hochverrats zu 13 Jahren Gefängnis in Russland verurteilt worden, weil er die Namen von russischen Agenten in Europa an den britischen Geheimdienst MI6 weitergegeben habe. Er gab zu, vom MI6 dafür bezahlt worden zu sein, wurde später begnadigt und im Tausch gegen russische Agenten in den USA nach Großbritannien ausgeflogen.