Giftanschlag auf Ex-Doppelagent Russland soll Skripal seit Jahren ausspioniert haben

  • Im Fall Skripal haben die Briten Geheimdienstinformationen veröffentlicht, die eine russische Täterschaft "sehr wahrscheinlich machen".
  • Seit 2013 seien der Ex-Doppelagent und seine Tochter bereits überwacht worden.

Britischen Geheimdienstinformationen zufolge soll Russland den früheren Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia bereits seit 2013 ausspioniert haben. Es gebe Hinweise darauf, dass deren E-Mail-Kommunikation überwacht wurde, berichtet der Guardian und beruft sich dabei auf einen Brief der Briten, der an die Nato geschickt wurde. Auch habe Russland mit Türklinken als Überträgern von chemischen Kampfstoffen experimentiert. Diese Indizien würden dem Geheimdienst zufolge eine russische Täterschaft "sehr wahrscheinlich" machen.

Premierministerin Theresa May soll diese Indizien als Grundlage genutzt haben für ihre Entscheidung, Sanktionen gegen Russland zu verhängen. Bisher waren sie allerdings nicht offengelegt worden. Generell ist es sehr unüblich, dass Geheimdienstinformationen publik werden.

Der russische Botschafter in London gab sich überrascht. "Wenn wirklich jemand spionierte, warum haben sich die britischen Dienste nicht darüber beschwert?", sagte Alexander Jakowenko bei einer Pressekonferenz am Freitag.

Jakowenko erklärte erneut, dass "bislang keinerlei Beweise" für eine russische Täterschaft vorgelegt worden sein. Er kritisierte zudem, dass die britische Regierung Informationen darüber verberge, wo Julia Skripal sich derzeit aufhalte. "Wir betrachten das als Entführung zweier russischer Bürger", fügte er hinzu.

Bei dem Anschlag in Salisbury waren Anfang März der frühere Doppelagent Skripal und seine Tochter Julia schwer vergiftet worden. Die Täter nutzten dabei ein Mittel wie den einst in der Sowjetunion entwickelten Kampfstoff Nowitschok. Russland streitet jegliche Verantwortung für den Anschlag ab.

Der Fall belastet die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen schwer. Viele EU-Staaten folgten dem britischen Beispiel und wiesen russische Diplomaten aus. Am kommenden Montag wollen die EU-Außenminister über das Verhältnis zu Russland reden.

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