Gewalt und Proteste in Syrien Assads gefährlichster Gegner

Der für Syriens Präsident Baschar al-Assad gefährlichste Gegner ist nicht der Papiertiger in Brüssel, sondern sein eigenes Volk. Keine Armee ist unbegrenzt dazu bereit, auf die eigenen Leute zu schießen.

Ein Kommentar von Rudolph Chimelli

Sanktionen gegen Syrien, das heißt im Klartext: Anders als in Libyen wird der Westen nicht in den Krieg ziehen, um die Bevölkerung zu schützen. Die Zeiten, in denen Syriens Präsident Baschar al-Assad neben seinem französischen Gastgeber die Parade zum 14. Juli abnehmen konnte, sind ohnehin längst vorbei.

Von Reisesperren oder Vermögensblockaden werden sich Assad oder die 34 anderen Personen und Institutionen, welche die Europäische Union auf ihre Schwarze Liste setzt, kaum beeindrucken lassen. Noch weniger von einem EU-Waffenembargo, denn der Hauptlieferant für Rüstungsgüter ist Russland.

Die Russen und die Chinesen dürften auch verhindern, dass der Weltsicherheitsrat schärfere Maßnahmen verhängt. Moskau will auf keinen Fall, dass Damaskus ins nahöstliche Klientensystem der USA überwechselt. Und der russische Flottenstützpunkt im syrischen Tartus, der einzige der Schwarzmeerflotte im Mittelmeer, soll ebenfalls erhalten bleiben.

Auch Indien, Südafrika, Brasilien sowie Syriens Nachbar Libanon - sie alle ohne Vetorecht - werden kaum mitmachen. Ohnehin sind die Erfahrungen mit dem Feldzug gegen den Libyer Muammar al-Gaddafi keine Ermutigung zu neuen militärischen Unternehmen. Fünf Monate Luftkrieg in Libyen haben das Arsenal und die Kasse der beteiligten Länder bereits aufs Äußerste strapaziert.

Doch der für Assad gefährlichste Gegner ist nicht der Papiertiger in Brüssel, sondern sein eigenes Volk. Keine Armee ist unbegrenzt dazu bereit, auf die eigenen Leute zu schießen. Ein Sturz Assads würde indessen nicht unbedingt Frieden und Freiheit bedeuten. Der libanesische Bürgerkrieg und die irakischen Wirren sind Warnzeichen für alle.