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Gewalt in Syrien:Eskalation im Nordwesten

Anti-Terror-Einsatz oder Angriff auf die Zivilbevölkerung? In Syrien sterben mehr als 120 Sicherheitskräfte - berichtet zumindest das Assad-treue Staatsfernsehen. Doch wer genau da auf wen schießt, bleibt unklar.

Was genau sich in dem Ort Dschisr al-Schogur im Nordwesten Syriens in den vergangenen Tagen abgespielt hat, ist unklar - doch alles deutet auf eine neue Eskalation der Gewalt in dem arabischen Land hin. Bei Unruhen sind nach Angaben des Regimes von Baschar al-Assad mindestens 80 Soldaten und Polizisten getötet worden. Im Staatsfernehen war sogar von bis zu 123 Todesopfern in der Ortschaft die Rede. Regierungsgegner sprechen von Dutzenden toten Zivilisten.

Demonstration gegen das Regime in der syrischen Provinz Idlib (Archivbild). Im Nordwesten des Landes eskaliert die Gewalt zwischen Regierungsgegnern und Soldaten.

(Foto: AFP)

Mehr als 100 tote Sicherheitskräfte - es wäre die höchste Zahl Toter in den eigenen Reihen, die die Regierung seit Beginn der Proteste bekannt gibt. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete auch, Regimegegner hätten in Dschisr al-Schogur die Leichen ihrer Opfer geschändet. Eine unabhängige Bestätigung für all diese Berichte gibt es nicht - Journalisten können sich in Syrien kaum ungehindert bewegen.

In Dschisr al-Schogur hatten Sicherheitskräfte in den vergangenen Tagen Proteste der Gegner von Präsident Assad blutig niedergeschlagen. Den Berichten zufolge kamen allein 37 Sicherheitskräfte ums Leben, als Aufständische ein Regierungsgebäude mit Granaten und Maschinengewehren angriffen. 20 Polizisten seien getötet worden, als sie mit ihrem Farzeugkonvoi in einen Hinterhalt gerieten. Acht Wachmänner starben laut Sana bei einem Anschlag auf ein Postgebäude. Dutzende weitere Sicherheitskräfte seien bei Kämpfen in der Ortschaft getötet worden.

Für die Toten macht die Regierung "Terroristen und Verbrecher" verantwortlich. Hunderte von ihnen hätten Teile Dschisr al-Schogurs unter ihre Kontrolle gebracht. Scharfschützen seien auf Dächern in Stellung gegangen, während die Sicherheitskräfte mehrere Gebäude, in denen sich die Angreifer verschanzt hätten, umstellt hielten. Der Einsatz der Soldaten sei im Interesse der Zivilbevölkerung, gibt das Regime bekannt: Die Bewohner hätten die Sicherheitskräfte "gebeten", sie zu beschützen.

Dagegen berichtete der arabische Nachrichtensender al-Arabija unter Berufung auf syrische Oppositionelle, Regierungstruppen würden mit Panzern und Handgranaten gegen die Zivilbevölkerung in Dschisr al-Schogur vorgehen. Allein am Sonntag seien dabei in der Provinz Idlib, in der der Ort liegt, 40 Regimegegener getötet worden, teilte eine in London ansässige syrische Menschenrechtsorganisation mit. In mehreren anderen syrischen Städten gingen die Demonstrationen gegen die Regierung auch am Montag weiter.

Unterdessen versucht die Assad-Regierung, die Protestwelle mit neuen Reformversprechen zu stoppen. Regierungschef Adel Safar habe die Bildung eines Komitees für die Ausarbeitung eines neuen Parteiengesetz beschlossen, meldet Sana. Der von diesem Komitee erarbeitete Gesetzentwurf werde vor der endgültigen Verabschiedung auch der Öffentlichkeit vorgelegt. Bislang ist die Führung von Assads regierender Baath-Partei allerdings nicht bereit, auf die Sonderstellung zu verzichten, die ihrer Partei von der Verfassung garantiert wird.

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