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Gewalt in Damaskus:Was jetzt in Syrien passieren muss

Um Syrien vor dem Untergang zu bewahren, sollte der Westen sich nun mit der Opposition verbünden. Selbst bei einem baldigen Sturz von Präsident Assad muss jedoch klar sein: Jede neue syrische Regierung wird Hilfe aus der ganzen Welt brauchen.

Nach einem Jahr Bürgerkrieg in Syrien scheint das Ende des Regimes Baschar al-Assads anzubrechen, ein Ende, von dem westliche Politiker schon lange sagen, es sei unvermeidlich. Der Anschlag auf Assads Getreue, die zunehmende Zahl hochrangiger Militärs, die sich vom Regime absetzen und immer größere militärische Erfolge der Oppositionstruppen - alles scheint diese These zu belegen.

Unrest in Damascus

Regimetreue Soldaten erheben zum Zeichen der Ehrerbietung für Präsident Baschar al-Assad ihre Gewehre. Doch wie lange kann sich Assad noch an der Macht halten?

(Foto: dpa)

Aber Assad ist noch nicht am Ende. Obwohl sein innerer Machtzirkel schwer getroffen ist: Er ist nicht isoliert. Seine wichtigsten Berater stehen ihm treu zur Seite, auch die Alawiten, zu denen Assad selbst gehört, und andere ethnische Minderheiten, die eine Machtergreifung durch die Islamisten fürchten. Treu sind immer noch die reichen Geschäftsmänner, die unter dem Regime gut verdient haben. Assad kann sich auch nach wie vor auf ausländische Verbündete verlassen, Iran, die Hisbollah, Russland und China.

Schließlich hat Assad offensichtlich auch die Kontrolle über Syriens Armee und deren chemische Waffen. Sie geben ihm die Macht, mit noch mehr Gewalt gegen die Aufständischen vorzugehen. Ja: Assads Möglichkeiten werden immer weniger, vielleicht schlägt er bald in seiner Verzweiflung aus wie ein Pferd; auch wird die Opposition keine Lösung des Konflikts akzeptieren, in dem Assad an der Macht bleibt. Und trotzdem ist es unwahrscheinlich, dass er bald abtritt.

Selbst wenn Assad abtritt, wird die Krise in Syrien nicht enden, sondern eher in eine neue Phase eintreten. Die Politik im Lande war immer hitzig. Zwischen Syriens Unabhängigkeit 1946 und der Machtübernahme durch Assads Vater Hafis al-Assad 1971 gab es immer wieder Staatsstreiche. Allein in den 60er Jahren hatte das Land sieben verschiedene Präsidenten.

Risiko für Syriens Nachbarn

Es besteht die Gefahr, dass nach dem Kollaps des Regimes auf Assads Herrschaft nicht Friede und Demobilisierung folgt, sondern ein sektiererischer Kampf und territoriale Desintegration, bei der die Kurden, Alawiten und andere Stämme ihre eigenen Enklaven bilden könnten. Die darauf folgende Gewalt würde Flüchtlingsströme auslösen und Syrien zu einem fruchtbaren Boden für Extremisten machen.

Das wäre dann nicht nur ein Risiko für Syrien selbst, sondern auch für seine Nachbarn: Waffen und Flüchtlinge aus Libyen haben auch zur Destabilisierung Malis beigetragen. Für den Westen wäre der Fall Assads und Syriens Flucht aus seiner brutalen Autokratie eine willkommene Entwicklung und wahrscheinlich auch ein strategischer Segen; noch mehr Chaos würde aber genau das Gegenteil bedeuten.

Assad verliert an Macht. Das ist aber kein Grund für die internationale Gemeinschaft, erleichtert durchzuschnaufen. Sie sollte alles daran setzen, eine positive Rolle beim Ausgang des Konfliktes zu spielen - und das kann auch gelingen.