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Gewalt in Ägypten:Extremisten attackieren Armee und Polizei

Das politische Chaos in Ägypten nutzen Extremisten für Angriffe: Auf dem Sinai nahe der Grenze zu Israel greifen Unbekannte Posten von Polizei und Militär an, mindestens ein Soldat kommt ums Leben. Auch das israelische Eilat wird von Explosionen erschüttert.

Bei Angriffen von Islamisten auf Armee- und Polizeiposten auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel ist nach Medizinerangaben mindestens ein Soldat getötet worden. Zwei weitere Soldaten wurden demnach bei dem Angriff auf eine Kontrollstelle der Armee in Al-Gura im Norden des Sinai in der Nacht zum Freitag verletzt.

Nach Angaben von Sicherheitskräften wurden auch ein Polizeiposten sowie die Zentrale des Militärgeheimdienstes in der Grenzstadt Rafah mit Raketen und Maschinengewehren angegriffen.

Die staatliche Nachrichtenagentur Mena berichtete, Militärhubschrauber hätten einen Wagen mit Bewaffneten beschossen, die zuvor einen Flughafen im Norden des Sinai angegriffen hätten.

Zuvor hatte es bereits zwei heftige Explosionen in der israelischen Hafenstadt Eilat nahe der Grenze zu Ägypten gegeben. Eine israelische Armeesprecherin sagte am Donnerstagabend, man prüfe Medienberichte über einen möglichen Raketenangriff auf die Stadt an der Südspitze Israels. Die Nachrichtenseite ynet berichtete, die israelische Armee stehe auch in Kontakt mit den ägyptischen Behörden. Möglicherweise seien Raketen im Nachbarland eingeschlagen.

Schon mehrmals sind Raketen von der ägyptischen Sinai-Halbinsel aus auf Eilat abgefeuert worden, zuletzt im April. Damals hatte sich eine palästinensische Salafistengruppe zu dem Angriff auf den israelischen Badeort bekannt.

Seit der langjährige ägyptische Präsident Husni Mubarak im Jahr 2011 durch einen Volksaufstand gestürzt wurde, hat sich die Sicherheitslage auf der Sinai-Halbinsel zunehmend verschlechtert. Islamisten nutzen den dünn besiedelten Norden der Halbinsel als Ausgangspunkt für Angriffe auf die Sicherheitskräfte sowie das benachbarte Israel.

Nach tagelangen Massenprotesten mit Dutzenden Todesopfern hatte die ägyptische Armeeführung den Präsidenten Mohammed Mursi am Mittwoch entmachtet und festgenommen. Die islamistisch geprägte Verfassung wurde außer Kraft gesetzt und soll überarbeitet werden. Die Sicherheitskräfte gingen zudem gegen Mursis politische Heimat der Muslimbrüder vor und verhafteten mehrere Anführer. Nach dem Sturz Mursis hatten Islamistenführer mit Gewalt gedroht. Anhänger des gestürzten Präsidenten haben für Freitag zu landesweiten Protesten aufgerufen.

Haftbefehle gegen Muslimbrüder
Problematische Vorwürfe

Mehr als 300 Haftbefehle liegen nach Angaben der Muslimbrüder gegen Mitglieder der islamistischen Organisation vor. Wichtige Führungspersönlichkeiten wurden bereits festgenommen: Der geistliche Führer Mohammed Badie und sein Stellvertreter Mahdi Akef, sowie der Anführer des politischen Arms, Saad al-Katatni und dessen Stellvertreter Raschad al-Bajumi. Badie wird beschuldigt, für die Schüsse auf Demonstranten verantwortlich zu sein, die Anfang der Woche das Hauptquartier der Muslimbrüder in Kairo gestürmt hatten. Dabei waren acht Menschen getötet worden. Die Muslimbrüder, aber auch viele Beobachter sehen aber vor allem politische Gründe hinter den Verhaftungen. So ist von den Vorwürfen gegen al-Katatni bislang nichts bekannt. Und auch die Anschuldigungen gegen Ex-Präsident Mohammed Mursi, der an einem unbekannten Ort unter Hausarrest steht, wirken gewollt: Ihm wird "Beleidigung der Justiz" zur Last gelegt.