Gewalt gegen Naturschützer in der Türkei:"Wir haben keine Regierung, wir haben Tayyip Erdogan"

Im Zuge des Wirtschaftsbooms in seinem Land setzt Erdogan auf etliche Großprojekte, etwa eine dritte Brücke über den Bosporus, einen neuen Flughafen und weitere Bauten in Istanbul. Stadtplaner, Wissenschaftler und linke Politiker haben die Vorhaben kritisiert und argumentieren, dass es in der Millionenstadt schon jetzt nicht genügend Parks gebe. Für Erdogan sind die Bauvorhaben ein Symbol für einen Wiederaufstieg der Türkei.

Im Gezi-Park am zentralen Taksim-Platz soll nach dem Willen der Stadtverwaltung ein Kasernengebäude aus dem 18. Jahrhundert neu errichtet werden, in dem später unter anderem ein Einkaufszentrum untergebracht werden soll. Außerdem ist ein Kulturzentrum geplant. Die Arbeiten dafür hatten im November begonnen. Am Freitagabend entschied ein Gericht, dass sie vorläufig ausgesetzt werden sollten.

An der Neugestaltung des Gezi-Parks und den Reaktionen auf die Proteste gibt es dieser Tage harsche Kritik aus der Öffentlichkeit: "Wir haben keine Regierung, wir haben Tayyip Erdogan", sagte der Politikwissenschaftler Koray Caliskan von der Bosporus Universität in Istanbul. "Sie hören uns nicht zu." Und weiter: "Dies ist der Beginn eines Sommers des Unmuts."

"Macht, was Ihr wollt, wir haben entschieden"

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International beklagte, dass die Reaktion der Polizei gegen die zunächst friedlichen Proteste überzogen sei.

Der Istanbuler Polizei wird seit längerem vorgeworfen, auch bei friedlichen Protesten mit übertriebener Härte zu reagieren. Die Demonstranten dokumentieren das harte Vorgehen der Beamten in Blogs wie diesem. Auf den Bildern ist zu sehen, wie Polizisten alte Menschen niederknüppeln und Frauen mit Tränengas attackieren.

Die Protestbewegung kritisiert, dass die Umgestaltung eine der letzten Grünflächen im Stadtzentrum vernichten würde. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Einwände der Kritiker jedoch in dieser Woche abgewiesen und gesagt, die Entscheidung sei gefallen: "Macht, was Ihr wollt, wir haben entschieden", sagte er.

© Süddeutsche.de/AFP/dpa/Reuters/jasch/fzg/ratz/rus/gba
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