bedeckt München 14°
vgwortpixel

Gewalt gegen Muslime in Großbritannien:Der Hass nimmt zu

Muslimische Männer Moschee London

Islamfeindliche Anfeindungen, Angriffe und Anschläge: Muslimische Männer in der Zentralmoschee im Londoner Regents Park (Archivbild von 2005).

(Foto: AFP)

Michael Adebolajo und Michael Adebowale wollten den gewaltsamen Tod von Muslimen in aller Welt rächen und brachten deshalb den Soldaten Lee Rigby um. Aber seit dem Londoner Soldatenmord vom Mai 2013 ist die Zahl der Gewalttaten gegen Muslime in Großbritannien dramatisch gestiegen.

Die Zahl der Übergriffe gegen Muslime ist in Großbritannien im vergangenen Jahr stark gestiegen. Allein die für den Großraum London zuständige Metropolitan Police hat 2013 mehr als 500 Übergriffe gezählt, darunter gewaltsame Angriffe auf Personen, Brandanschläge auf Moscheen und Morddrohungen im Internet. Die Gruppe "Tell Mama", die Angriffe auf Muslime aufzeichnet, hat für 2013 im Vergleich zum Vorjahr eine Verdopplung der Vorfälle festgestellt.

Tell Mama gehört zur Organisation "Faith Matters", die sich für das friedliche Zusammenleben der Religionen einsetzt. Deren Sprecher Fiyaz Mijhal sagt, dass besonders in den sozialen Medien der Hass zugenommen habe. Er macht dafür ein konkretes Ereignis verantwortlich: Am 22. Mai dieses Jahres töteten zwei Männer im Südosten Londons einen Soldaten und sagten anschließend, sie wollten mit ihrer Tat Rache nehmen für den gewaltsamen Tod von Muslimen in aller Welt. Die Täter, Michael Adebolajo und Michael Adebowale, sind britische Staatsbürger, die zum Islam konvertiert sind und von Hasspredigern radikalisiert wurden.

Mit dem Beil enthaupten

Die Tat hatte das Land wegen ihrer Brutalität aufgewühlt. Am helllichten Tag hatten Adebolajo und Adebowale den Soldaten Lee Rigby zunächst absichtlich mit dem Auto überfahren. Als die beiden ausstiegen, dachten Zeugen zunächst, sie wollten dem Opfer helfen. Die Männer versuchten jedoch, Lee Rigby mit einem Messer und einem Fleischerbeil zu enthaupten.

Nach der Tat sprachen sie blutverschmiert in Handykameras von Passanten. Als die Polizei eintraf, zückte einer der Männer eine Schusswaffe. Beide Männer wurden niedergeschossen, überlebten aber.

Besonders in den Tagen nach dem Mord stellten verschiedene Organisationen eine starke Zunahme von Angriffen auf Muslime fest. Die Gruppe "Hope Not Hate" zählte allein in den ersten fünf Tagen nach der Tat 197 islamfeindliche Übergriffe, darunter zehn Anschläge auf Moscheen. Frauen wurden die Schleier weggerissen, bärtige Männer wurden verprügelt, vor einer Moschee wurde ein Schweinekopf abgelegt. Die rechtsextreme British National Party rief zu antimuslimischen Demonstrationen auf. Parteichef Nick Griffin bezeichnete die "massenhafte Einwanderung" als Hauptproblem des Landes. Die ebenfalls rechtsextreme English Defence League (EDL) lieferte sich in den Tagen nach dem Mord Straßenschlachten mit der Polizei.

Mittlerweile ist das Verfahren gegen Adebolajo und Adebowale so gut wie abgeschlossen. Kurz vor Weihnachten hat eine Jury die Männer des Mordes für schuldig befunden.

Das Strafmaß wird im Januar verkündet. Beide Männer hatten sich vor Gericht als Soldaten in einem Krieg bezeichnet und zudem darauf bestanden, mit ihren neuen, muslimischen Namen angesprochen zu werden. Ein Bruder Adeblajos sagte, die Tat werde nicht die letzte ihrer Art bleiben. Jede Gewalttat britischer Truppen gegen Muslime werde eine Reaktion hervorrufen.

Unmittelbar nach der Tat hatte Premierminister David Cameron eine Task Force ins Leben gerufen, die jede Form von Extremismus bekämpfen soll. Zudem soll nun ein Untersuchungsausschuss klären, ob der Mord an Lee Rigby hätte verhindert werden können - denn einer der Täter hatte seit Längerem unter Beobachtung durch den Inlandsgeheimdienst MI5 gestanden.

© SZ vom 30.12.2013/cag
Zur SZ-Startseite