Gewalt beim G-20-Gipfel:Drastische Darstellungen der Ereignisse

Drastische Darstellungen der Ereignisse kamen zu Gehör, vor allem vom Freitagabend, als Barrikaden brannten und Ladenscheiben splitterten, während die Anwohner Hilfe von der Polizei vermissten. Polizeidirektor Normen Großmann, Leiter der Eingriffskräfte beim G-20-Einsatz, berichtete von "Quelleninformationen von verdeckt eingesetzten Kräften", wonach auf mehreren Dächern "circa 1500 zu allem bereite Personen" mit Zwillen, Molotowcocktails, Steinplatten und anderem Gerät die Polizei erwartet hätten. An dieser Darstellung gibt es allerdings Zweifel. Michael Zorn, Leiter der Spezialkräfteeinheit (SEK), die zu Hilfe eilte, erklärte trotzdem: "Wir sind um Haaresbreite an einer sehr, sehr schweren Eskalation der Lage vorbeigeschrammt." Und auch die Demonstration "Welcome to hell" vom Donnerstagabend, welche die Polizei wegen Vermummungen in zwei schwarzen Blöcken nicht loslaufen ließ, schilderten die Beamten in eindringlicher Dramatik ("Wir wurden von allen Seiten beworfen").

"Es gab nie den Plan, den Aufzug nicht loslaufen zu lassen"

Kürzer angebunden war Einsatzleiter Hartmut Dudde dagegen, wenn von Abgeordneten der Regierungsparteien SPD und Grüne doch mal kritische Fragen zum Einsatz kamen. Warum Gerüste im Schanzenviertel nicht abgebaut waren, von denen aus Gewalttäter die Polizei beschießen konnten? Die Rechtsgrundlage dafür habe gefehlt, das gefährdete Gebiet sei außerdem zu groß gewesen, um alle Gerüste dort auszumachen.

Zur Sprache kam auch der Verdacht, die Polizei habe die Demonstration "Welcome to Hell" ohne Auflagen bestätigt, um dort den Schwarzen Block zu stellen. "Es gab nie den Plan, den Aufzug nicht loslaufen zu lassen", sagte Dudde. Und: "Auflagen können wir nur erlassen, wenn wir Hinweise auf Störungen haben." Nach der Lageanalyse der Staatsschützer vom Landeskriminalamt gab es diese Hinweise aber. Das war einer dieser Momente, an denen Christiane Schneider doch gerne was gefragt hätte. Duddes Ausführungen nennt sie "eine Farce".

Überraschende Erkenntnisse hat es in der Sondersitzung des Innenausschusses aber auch gegeben. Joachim Ferk, Leiter der Hamburger Bereitschaftspolizei, berichtete, dass die prominenten Rote-Flora-Vertreter Andreas Beuth als Versammlungsleiter und Andreas Blechschmidt als Versammlungsanmelder bei der Demonstration "Welcome to hell" offenbar irgendwann ihren eigenen Gefolgsleuten im schwarzen Block nicht mehr trauten. Sie seien in Sorge gewesen, den schwarzen Block mit seinen vielen martialischen Gestalten nicht mehr unter Kontrolle zu haben. "Der Leiter der Versammlung hat mich gebeten, dass wir die Versammlung seitlich begleiten", sagte Ferk, "das ist ein absolutes Novum, das habe ich noch nie erlebt." Es klang, als seien dem Polizeibeamten Ferk die Linksautonomen aus der Roten Flora in diesem Moment vernünftiger vorgekommen, als er sich das je hätte vorstellen können.

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